10.12.2012

GRAFIKNOVELLE / JENSEITS DER GRENZE

Die Schönheit der Karten

Von Seidel-Hollaender, Gabriela

In Sodrownien, einem Land mit bedrohlicher Architektur und bizarren Landschaften, kämpft ein junger Held gegen den übermächtigen Apparat.

In der Wüstenkuppel des kartografischen Zentrums von Sodrownien, einem gigantischen und bedrohlich wirkenden Gebäudekomplex, tritt der junge Roland von Cremer seine erste Stelle an. Sein Chef, Paul Ciceri, genannt Herr Paul, erweist sich als gewissenhafter Deuter und Wissenschaftler. Er bringt Roland bei, wie wichtig es ist, die Welt genau zu vermessen. Er zeigt ihm die Schönheit alter Karten, er erklärt, wie sich an ihnen politische Entwicklungen ablesen lassen: wie - oft nach Kriegen - Grenzen verschoben und Karten manipuliert werden, um die Geschichte umzudeuten.

Schnell wird klar, dass genau dies nun auch in Sodrownien geschehen soll. Der herrschende Marschall Radisic hat die Absicht, ungeachtet der bestehenden Grenzen ein Großsodrownien zu errichten. Herr Paul mit seinen Bedenken wird ausgeschaltet, und Radisic setzt alles daran, die Kartenschreibung seinem Expansionswillen entsprechend zu verfälschen.

Derweil verliebt sich Roland in die junge Prostituierte Shkodrã. Auf ihrem Körper entdeckt er ein geheimnisvolles Muttermal. Es bildet die ursprünglichen Grenzen von Sodrownien ab, ihre Haut gleicht einer lebenden Erinnerung an das Land, wie es einmal war. Aber genau diese Erinnerung will Marschall Radisic für immer auslöschen. Daher muss er auch Shkodrã vernichten. Roland und Shkodrã flüchten.

Das belgisch-französische Autorenpaar dieser Grafiknovelle, François Schuiten und Benoît Peeters, führt den Leser in eine komplexe Welt aus unheimlicher Architektur, Technik und bizarren Landschaften. Die hier in der Neuausgabe zusammengefasste, ursprünglich zweiteilige Grafiknovelle "Jenseits der Grenze" gehört zu der mehrfach preisgekrönten Reihe "Die geheimnisvollen Städte". Die Teile der Serie hängen nur lose zusammen; jeder Band entwirft eine in sich schlüssige Welt, die sich jeweils auf reale politische oder städtebauliche Entwicklungen bezieht. "Jenseits der Grenze" ist ein filigran gezeichnetes Buch das mit Distanz und Weitblick einen Blick auf die Moderne wirft. Bedrohlich, phantastisch - und sehr unterhaltsam. GABRIELA SEIDEL-HOLLAENDER

François Schuiten und Benoît Peeters "Jenseits der Grenze" Zeichnung: François Schuiten Szenario: Benoît Peeters.

Schreiber & Leser; 136 Seiten; 26,80 Euro.


UniSPIEGEL 6/2012
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