10.12.2012

Ich bin ich

Sören Kupfer

Von Steinecke, Almut

Zum Gähnen, diese typischen Style-Websites. Da versuchen Leute zu glitzern, indem sie sich etwas Besonderes anziehen. Interessanter ist doch, etwas Besonderes zu sein (dann kann man sich immer noch verrückt stylen). Wie die Studenten in unserer UniSPIEGEL-Serie.

Schwarzgefärbtes Haar, Kajal unter den Augen, geweißtes Gesicht: Sören Kupfer, Geografiestudent aus Bremen, sieht verstörend aus wie Marilyn Manson, aber fürchten muss sich vor ihm niemand. Zu seinem Style ist der 24-Jährige über die Musik gekommen: Schon als Jugendlicher hörte Sören Musik von Gruftie- und Gothic-Bands wie Sisters of Mercy oder Alien Sex Fiend. Düstere Grabesklänge, zu denen Pullover in Sonnengelb nicht so recht passen. Irgendwann ließ sich Sören einen "Undercut" schneiden, einen für Gothics typischen Haarschnitt, bei dem die untere Haarschicht wegrasiert wird, während das Deckhaar lang über die Glatze fällt. Der "Undercut" war der letzte Schritt, mehr zu sein als ein Wochenend-Gruftie: Man kann ihn nicht verstecken. Wie reagieren die Menschen auf ihn? "Die Blicke bleiben auf mir immer ein paar Sekunden länger haften", sagt er, "aber nicht abfällig, eher neugierig." Auch in seinem Nebenjob im Bremer Abwasserbetrieb hat ihm sein Aussehen noch nicht geschadet, allerdings hat er im Moment noch keinen Kundenkontakt. Nach seinem Studium könnte sich das ändern; Sören kann sich vorstellen, bei der Stadt in Vollzeit als Städteplaner durchzustarten. Würde er sich dann der Karriere zuliebe einen anderen Haarschnitt zulegen? "Mittlerweile schon", sagt er. "Seit Oktober bin ich Papa und trage Verantwortung für meine Familie. Deshalb würde ich mich fügen, wenn mein Arbeitgeber eine andere Frisur von mir verlangt."

ALMUT STEINECKE


UniSPIEGEL 6/2012
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