09.02.2013

KOMMENTAR / STUDIENGEBÜHREN

Kostenlose Bildung ist unfair!

Studiengebühren stehen vor dem Aus: In Niedersachsen will Rot-Grün das Bezahlstudium abschaffen, ein Volksbegehren in Bayern verfolgte dasselbe Ziel. Ein neues Modell muss her, findet Stefan Winter, Wirtschaftsprofessor aus Bochum, und erklärt seine Idee von gerechten Gebühren.

Ich bezahle mein Studium nachträglich inklusive Zinsen. Freiwillig. Jeden Monat überweise ich 100 Euro direkt auf ein Konto der Wirtschaftswissenschaftlichen Fakultät in Hannover. Ich verdiene 5000 Euro netto im Monat. Ich habe es einfach nicht nötig, mir mein Studium von den ärmeren Menschen dieses Landes mitbezahlen zu lassen. Und so sieht denn auch mein Vorschlag für gerechte Studiengebühren aus: Erst nach dem Studium fallen pro Monat 0,1 Prozent des Jahresbruttogehalts an. Zahlen muss nur, wer mehr als 35000 Euro verdient.

Führungskräfte mit Hochschulabschluss verdienen in ihrem Leben im Durchschnitt eine Million Euro mehr als ihre Kollegen ohne Studium. Gebühren von 50 bis 60 Euro im Monat für Topverdiener sollen ein Bildungsproblem sein? Eltern zahlen mehr für einen Kindergartenplatz als Studenten für einen Studienplatz, wir entlassen pro Jahr 50000 Schüler ohne Abschluss, wir leisten uns seit Jahrzehnten einen NC. So viel zum Thema "Freie Bildung für alle!" Ein Medizinstudium kostet 180000 Euro pro Person und wird verschenkt. Handwerker müssen die Meisterausbildung hingegen größtenteils selbst bezahlen.

Freie Bildung für alle? Bildung kostet Geld. Sie ist deshalb nicht frei für alle. Diejenigen, die diese Schilder hochhalten, wollen bloß nicht selbst bezahlen.

Auch Steuern halten Akademiker gern einmal für unzumutbar, und man verdrückt sich lieber in die Schweiz. 17000 deutsche Ärzte sind schon ausgewandert. Ihre Ausbildung hat ja bloß drei Milliarden Euro gekostet. Und dieser selbstgerechte Mist verkauft sich dann auch noch als "soziale Gerechtigkeit".


UniSPIEGEL 1/2013
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