09.02.2013

Schmeckt's noch, Herr Professor?

Von Leppin, Jonas

Dieter Rehder, 71, geht seit mehr als 50 Jahren fast täglich in dieselbe Mensa. Teures Essen lehnt er trotz Professorengehalt ab. Warum nur?

UniSPIEGEL: Herr Professor Rehder, Sie kommen gerade vom Mittagessen aus der Mensa, was gab es denn heute?

Rehder: Oh, ich habe das "Campus Spezial" gegessen: Victoriabarschfilet, natur gebraten, mit Dillrahmsoße. Es war ausgezeichnet.

UniSPIEGEL: Sie gehen seit über 50 Jahren fast täglich im Studierendenhaus der Universität Hamburg essen. Schmeckt's noch?

Rehder: Jetzt fangen auch Sie damit an. Viele Menschen schimpfen ständig auf das Kantinenessen. Befreien Sie sich mal von den negativen Klischees, dann stellen Sie fest: Mensa-Essen ist wirklich lecker und unschlagbar günstig.

UniSPIEGEL: Sie sind inzwischen pensioniert. Wie kommt es, dass Sie immer noch in die Mensa gehen?

Rehder: Angefangen hat das als Student, dann habe ich an der Uni Hamburg habilitiert und bin Chemie-Professor geworden. Ich habe noch immer mein Büro hier, wo ich montags bis freitags arbeite, und jeden Mittag gehe ich in die Mensa. Ich frühstücke morgens auch gar nicht mehr.

UniSPIEGEL: Sie könnten sich doch ganz andere Restaurants leisten.

Rehder: Möchte ich aber nicht. Wissen Sie, mir schmeckt Essen ab 15 Euro gar nicht. Es ist einfach zu teuer.

UniSPIEGEL: Lassen Sie uns ein bisschen an Ihrer Erfahrung teilhaben: Was sollte man in der Mensa essen?

Rehder: Bei Hamburger und Pommes kann man nie etwas falsch machen. Hier im Norden empfehle ich außerdem Matjes mit Kartoffelsalat. Reisgerichte würde ich vermeiden, die sind immer etwas weniger ansprechend.

UniSPIEGEL: Wie hat sich das Mensa-Essen über die Jahrzehnte verändert?

Rehder: Früher gab es zwei Essen zur Auswahl, und zu allem gab es Fleisch. Ohne Fleisch war es kein richtiges Mittagessen. Heute gibt es sechs verschiedene Gerichte, es gibt ein vegetarisches Essen, eine Salatbar und jeden Mittwoch einen Klimateller. Da kommen nur klimafreundliche Zutaten drauf.

UniSPIEGEL: Und die Gäste?

Rehder: Mir ist in den vergangenen Jahren aufgefallen, dass neben den Studenten immer mehr ältere Menschen in die Mensa gehen, die eindeutig nichts mit der Universität zu tun haben.

UniSPIEGEL: Ich vermute ja, dass Sie selbst gar nicht kochen können.

Rehder: Da liegen Sie aber ganz falsch. Ich koche sogar sehr gern. Immer am Wochenende. Chili con Carne, gefüllte Paprika, verschiedene Fischgerichte. Und meine Frikadellen sind auch eindeutig besser als die in der Mensa.

UniSPIEGEL: Was sagt eigentlich Ihre Frau dazu?

Rehder: Na ja, wenn meine Frau mich mal auf dem Campus besucht, gehen wir in ein Restaurant. Darauf besteht sie.

Interview: Jonas Leppin


UniSPIEGEL 1/2013
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