18.05.2013

SACHBUCH / "FRITZI UND ICH"Allein unter Mamas

Jochen König erzählt von der Geburt seiner Tochter, vom Scheitern seiner Partnerschaft - und von der Angst, als Vollzeitvater keine gute Mutter zu sein.
Die Geschichte beginnt mit den zwei Streifen. Als der Schwangerschaftstest positiv ausfällt, sind Jochen und seine Freundin unschlüssig. Sie will Karriere machen, fürchtet sich vor der Bindung durch das Kind und will nicht ausschließlich Mutter sein, zumindest noch nicht. Ihr Freund Jochen König, damals 27 Jahre alt, will das Kind mehr als seine Freundin. Jochen schmeißt daher seinen Job hin und geht in Elternzeit, seine Freundin arbeitet weiter. Ihre Tochter kommt zur Welt, sie nennen sie "Fritzi".
Die jungen Eltern ziehen nicht zusammen, sondern probieren stattdessen ein anderes Familienkonzept aus: Jeder soll seine Bedürfnisse ausleben können, die Verantwortung für das Kind wollen sie sich so weit wie möglich teilen. Fritzi wohnt bei Jochen, die Mutter arbeitet weiter Vollzeit und nimmt das Kind nur an manchen Tagen zu sich. Fritzi wird früh abgestillt. Obwohl Elternzeit für Väter immer mehr in Mode kommt, scheint es Jochen zuweilen so, als sei er weit und breit der einzige Vollzeitvater. Allein unter stillenden Müttern.
Autor Jochen König hat in diesem Buch seine eigene Geschichte aufgeschrieben, die Geschichte der ersten drei Jahre mit seiner Tochter. Er beschreibt schlaflose Nächte und seine Versuche, sich dem Rhythmus seines Kindes anzupassen. Er lernt, den immer gleichen und manchmal eintönigen Alltag mit einem Baby zu akzeptieren. Oft ist er kurz davor zu verzweifeln. König ist dabei ein liebevoller Vater, der seine Rolle voll annimmt. Das unterscheidet ihn von vielen anderen Männern, die sich auf maximal vier Monate Elternzeit einlassen und diese Phase von vornherein als Intermezzo betrachten. Als Tochter Fritzi schließlich in die Kita kommt, wird Jochen noch einmal Student und will einen Abschluss in Kulturwissenschaften machen. Wieder ist er ein Sonderling - weit und breit der einzige männliche Student mit Kind.
Jochen Königs Buch ist der ehrliche, rührende Bericht eines jungen Vaters, der schonungslos beschreibt, wie abenteuerlich die ersten Jahre mit Kind sind, wie Vater und Tochter zusammen glücklich sein können - auch wenn Vater und Mutter das nicht so richtig hinbekommen. "Fritzi und ich" ist zugleich ein schlaues Plädoyer für einen neuen Blick darauf, was ein guter Vater ist - und was eine gute Mutter.
Tochter Fritzi, die man übrigens oft für einen Jungen hält, weil sie selten Rosa trägt und weil sie eben Fritzi heißt, nennt ihren Papa irgendwann "Mama". Warum auch nicht?
GABRIELA SEIDEL-HOLLAENDER
Von Gabriela Seidel-Hollaender

UniSPIEGEL 3/2013
Alle Rechte vorbehalten
Vervielfältigung nur mit Genehmigung


  • Das Brexit-Cover-Wunder: "Three Lions" und eine schräge Stimme
  • US-Amateurvideos: Schneeballgroße Hagelkörner ängstigen Hausbewohner
  • Brexit: Das Drama in Shakespeares Geburtsstadt
  • Brexit: Parlament erzwingt Abstimmung über Alternativen