Fotoprojekt im Wohnheim Das gleiche Zimmer, immer anders

Was lässt sich aus 15,5 Quadratmetern machen? Eine Fotografin hat Studenten in einem Wohnheim in Darmstadt besucht - und war überrascht, wie unterschiedlich ihre Zimmer aussehen.

Louisa Galow

Von Peter Neitzsch


Individualität braucht nicht viel Platz. Das zeigen die Fotos aus dem Studentenwohnheim Karlshof in Darmstadt: Ein paar mitgebrachte Gegenstände, ein Poster an der Wand oder ein Bücherbord - und schon verwandelt sich das karge Zimmer in einen Raum mit Charakter. Bei dem einen geht es chaotisch zu, beim anderen ist alles aufgeräumt.

"Ich will zeigen, dass jeder Mensch anders ist und den Dingen seinen persönlichen Stempel aufdrückt", sagt Fotografin Louisa Galow. Menschen stünden eigentlich immer im Mittelpunkt ihrer Bilder. Auch dann, wenn - wie auf den Wohnheimbildern - niemand zu sehen ist.

Die Räume sind ähnlich, teils mit dem gleichen Grundriss - selbst die Möbel sind oft identisch. Und doch gleicht kein Raum dem anderen, denn die Zimmer spiegeln die Persönlichkeit ihrer Bewohner.

Zum Wohnheimprojekt kam Louisa, die in Darmstadt "Kommunikationsdesign mit dem Schwerpunkt Fotografie" studierte, über einen Kurs an der Hochschule. Die Aufgabe: Lebenswelten internationaler Studierender in Darmstadt zu dokumentieren. Der Karlshof war dafür wie geschaffen: Insgesamt 963 Zimmer gibt es in den Gebäuden des Wohnheims im Alfred-Messel-Weg.

Fotostrecke

8  Bilder
Fotostrecke: Darf ich mal dein Zimmer fotografieren?

"Ich bin von Tür zu Tür gegangen, habe geklopft und gefragt, ob ich die Bilder machen darf", berichtet Louisa. Erstaunt war sie darüber, wie viele mitgemacht haben und die Fotografin in ihr Schlafzimmer ließen. "Dabei ist das doch das Privateste, was es so gibt."

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Wer die Räume bewohnt, verrät Louisa nicht. Der Betrachter soll sich selbst ein Bild davon machen. "Ich finde es schade, dass Menschen so schnell bewertet und in Schubladen gesteckt werden - bloß wegen eines Namens oder ihrer Herkunft."

Ihren Themen nähert sie sich deshalb möglichst wertfrei. Für ein anderes Projekt fotografierte sie etwa Frauen, die vorübergehend Zuflucht in einer Einrichtung für wohnungslose Frauen fanden, oder begleitete ein älteres Ehepaar, bei dem der Mann an Demenz erkrankt war, in seinem Alltag.

Ihr Studium hat die 24-Jährige vergangenen Sommer beendet und arbeitet jetzt als freie Fotografin und Grafikerin in Darmstadt. Für sie ein Traumjob: "Ich wusste schon früh, dass ich eine Arbeit haben wollte, die kreativ und abwechslungsreich ist."



insgesamt 20 Beiträge
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Seite 1
Grinsekatze42 12.03.2018
1. Karlshof
och ich weiß nicht. ich kenn den Karlshof noch aus meiner eigenen Studentenzeit, hab zwar selbst nicht da gewohnt aber kenne genug die da waren. so schlecht und unbeliebt war das nicht. 4er oder 5er - WGs, die sich auch selbst die Nachmieter suchen konnten, ein ganz netter Gemeinschaftsraum pro WG, eine gemeinsame Küche... und das ziemlich bezahlbar, der freie Markt in der Stadt konnte da null mithalten. von den Leuten die sich über den Karlshof beschwerten gings eher darum dass es da doch oft sogenannte Gangpartys gibt die dann halt von vier oder fünf WGs ausgerichtet werden und da ist dann mitgefangen mitgehangen.... Studentenzeit halt ;) klar die Zimmer sind keine Paläste, aber für eine begrenzte (Studenten-) Zeit find ich das jetzt keinen Beinbruch, muss ich sagen, sondern eher recht angemessen. In der Zeit hat man halt nicht so viel Kohle (aber als Student schon ne Menge Vergünstigungen hier und da, bei Tickets und solcherlei Dingen mehr).
peter.braehler 12.03.2018
2. Anspruchsdenken?!
Woher kommt dieses Anspruchsdenken? Wie sollen denn Studenten Ihrer Meinung nach leben? Auf 50m² mit vergoldeten Wasserhähnen? Selbst wenn es für Sie schwer vorstellbar ist - die meisten Studenten kommen mit diesen 15m² im Karlshof oder auch anderen Studentenwohnheimen super zurecht. Für diese jungen Menschen zählen mehr die Möglichkeiten etwas aus ihrem Leben zu machen, sich mit anderen Kulturen und Kommilitonen auszutauschen als sich darüber zu beschweren, weshalb sie sich mit so wenig zufrieden geben sollen. Ich hatte mehrere Kommilitonen im Karlshof, von denen hat sich nie jemand beschwert.
HerrPeterlein 12.03.2018
3. Knast sieht besser aus
Studenten, ich war selbst einer, genießen die "erste große" Freiheit, das Unileben, sich damit beschäftigen was man will, usw. Man ist total jung, trifft viele andere ähnliche, aufregende Menschen und kaum jemand hat mehr Geld als man selbst, viele finden ein WG-Leben toll, ist es ja auch. Trotzdem kommt kaum jemand insgesamt auf den Hartz4 Satz, Zimmer im Knast sehen deutlich geräumiger aus als ein Zimmer im Studentenwohnheim. Doch das eine ist unfreiwillig, und/oder ein Dauerzustand, der Student hofft (berechtigterweise) auf "mehr" nach seinem Studium. Wenn es lange dauert, ist der Student nach 5-6 Jahren aus dem Wohnheim raus, es stört ihn dort weniger. Hier sehe ich, dass Armut viel mit einer persönlichen und gesellschaftlichen Norm zu tun hat.
remcap 12.03.2018
4. Für die meisten ist das nur ein Raum
zum Schlafen, Essen und sich zu waschen. Aktivitäten werden die meiste Zeit ausserhalb der Wohnung gemeistert.
fuckspon 12.03.2018
5. AfD-Kampfsau?
Hoert sich fuer mich nach AfD-Agitation an. Fuer mich war das alles kein Problem mit 15qm. Wofuer mehr als Student? Es gibt Gemeinschaftskuechen und -baeder, wie zu Hause auch. Einen Flur, wo's die Feste gab, wie zu Hause auch. Ich kam von der Bundeswehr, wo ich mit 5 Mann eine Stube teilte. Was erwartest du eigentlich? Typisches Anspruchsdenken eines offensichtlich zu kurz gekommenen Neiders....
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