Studentenleben Die Küche lebt

Zwei Studenten hatten keine Lust zu spülen. Das Ergebnis: ein fotografisches Projekt über die Schönheit von Schimmel.

Nikita Teryoshin, Max Slobodda

Von Peter Neitzsch


Manchmal muss man nur lange genug warten, dann entsteht etwas völlig Neues, mit dem niemand gerechnet hat. So erging es auch Max Slobodda und Nikita Teryoshin. Die beiden Mitbewohner hatten in ihrer Dortmunder WG ein Problem, das viele Studenten kennen: Sie waren zu faul für den Abwasch.

Doch Max und Nikita studierten Fotografie. Und so kam es, dass sie die erblühte Pasta, die sie nach Wochen entdeckten, nicht einfach diskret in der nächsten Biotonne entsorgten, sondern das Stillleben zunächst professionell ablichteten. Das Projekt "Küchendienst" war geboren.

"Wir wollten eine Suppe kochen und fanden den Topf nicht", berichtet Nikita. Schließlich wurden sie auf dem Balkon fündig, wo die Spaghetti bereits ein Eigenleben entwickelt hatten. Seither haben es sich die beiden zur Aufgabe gemacht, fotografisch der Schönheit von Schimmel nachzuspüren. "Dabei war der Schimmel gar nicht unsere ursprüngliche Idee", erzählt Nikita. "Wir wollten eigentlich nur eine fotodokumentarische Strecke in den eigenen vier Wänden umsetzen."

Fotostrecke

7  Bilder
Fotostrecke: Schöner Schimmel

Die gemeinsame Wohnküche bot sich da an. Und so sind unter den Bildern der Pilzkulturen auch Makroaufnahmen von Herdplatten, angebrannten Pfannen und den vegetarischen Gerichten, die sie darin zubereiteten.

"Das ist keine Kunst"

Die Schimmelbilder entwickelten sich jedoch zum größten Hit des Projekts. Einige davon waren sogar bei Ausstellungen in England und Deutschland zu sehen. Allerdings betont Nikita: "Wir haben nie absichtlich etwas verschimmeln lassen, das hat sich einfach so ergeben." Dennoch hat er ein paar Tipps für Nachahmer, auf welchen Lebensmitteln der Schimmelpilz besonders prächtig gedeiht: Sojajoghurt, aber auch Kokosmilch funktionierten gut. "Das ergibt spannende Blautöne."

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Die Reaktionen auf die Schmuddelfotos seien überwiegend positiv gewesen, auch wenn es dann und wann böse Facebook-Kommentare gegeben habe. "Das ist keine Kunst, das ist widerlich", schreibt eine Nutzerin etwa. Man brauche für etwas Abwasch doch keinen Putzplan. "Aber wer unser Projekt verstanden hat, der hat uns dafür auch gefeiert." Fans schickten den Hobbyköchen unaufgefordert Fotos eigener Schimmelkreationen. "Da waren wir manchmal schon etwas neidisch", sagt Nikita.

Vor Kurzem sind die beiden 30 Jahre alt geworden, die WG haben sie aufgelöst. "Max studiert noch immer, ich bin nach 17 Semestern endlich fertig geworden", sagt Nikita, der jetzt als freiberuflicher Fotojournalist in Berlin lebt. Das Projekt Küchendienst könnten die zwei nun leider nicht mehr fortführen, bedauert er. "Ich wohne jetzt mit meiner Freundin zusammen, die wäre davon sicher nicht begeistert."



insgesamt 3 Beiträge
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Seite 1
grbxx 18.01.2018
1. Das war lange überfällig
Es gibt sehr viele verschiedene Schimmelarten in Studenten WGs. Einmal habe ich sogar orangenen Schimmel gesehen... der war sehr selten ... Die WG hatte da so eine Art Langzeitprojekt mit vielen Kühlschränken... die sich nicht von alleine leeren wollten ...
Analog 18.01.2018
2. In meiner Jugend hatte ich in
meiner Junggesellen Bude, mal ein Stück Fleisch nach dem Essen am Teller liegen gelassen, dann spontan mit Freunden das Wochenende in Holland verbracht. Als ich dann nach Hause kam, war die Kochnische übersät mit weißen Marden. Den Blick von meiner weiblichen Begleitung werde ich nie vergessen...
madameping 18.01.2018
3. Das ist einfach nur eklig
Sorry, der alte Running Gag in den WG's. Je dreckiger, desto lustiger. Haha. Muss ein Männerwitz sein. Ich verstehe es nämlich nicht und habe es auch damals schon nicht verstanden, wenn ich mal in WG's zu Besuch war
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