Studieren unter Snobs Warum ich aus Cambridge abgehauen bin

Das St. John's in Cambridge ist das "College der Snobs". So richtig gehört erst dazu, wer es in einen der Geheimklubs geschafft hat - wie SPIEGEL-Redakteur Takis Würger. Er hat mit der Elite gelernt, geboxt, gesoffen.

St Johns College in Cambridge
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St Johns College in Cambridge


Ich habe ein Jahr an der Universität von Cambridge studiert und jeweils ein Trimester gelernt, eins geboxt und eins gefeiert. Danach brach ich mein Studium ohne Abschluss ab und ging zurück zum SPIEGEL.

Es gibt viel Gutes über Cambridge zu sagen: die akademische Exzellenz, die schöne Architektur, dass da noch der Pub steht, in dem Crick und Watson die Entdeckung der DNA begossen haben. Dieser Text wird sich mit alldem nicht beschäftigen, sondern mit einem kleinen, anderen Aspekt der Universität, der vielen Studenten verborgen bleibt: mit den Klubs der Snobs.

Wer es nach Cambridge schafft, hat es geschafft, dachte ich. Man wird ein Teil der Auserwählten. Das ist Unsinn. Die Universität spuckt jedes Jahr Tausende Studenten aus, manche davon sind so klug, dass sie im Leben nicht funktionieren; manche so dumm, dass sie daran scheitern, sich eine Bratwurst zu kaufen.

Es gibt auch die anderen. Aber meine Voraussetzungen dazuzugehören waren schlecht.

Ich bin in meinem Leben nicht durch Intelligenz aufgefallen und nicht reich geboren. Mein Großvater war Fischnetzknüpfer. Dazu kommt, dass es als Deutscher nahezu unmöglich ist, Cambridge von außen zu begreifen.

Die Universität von Cambridge ist in 31 Colleges aufgeteilt. Das ist ein wenig so wie Hogwarts, wo die Studenten in Slytherin und Gryffindor wohnen, aber trotzdem Hogwarts-Schüler sind. Ich dachte, meine Chancen, einen Studienplatz zu bekommen, sind so gering, dass ich mich gleich an dem College bewerbe, das für mich am meisten funkelt: am St. John's College.

Würger in seinem Blues Blazer
Jan Philip Welchering / UNI SPIEGEL

Würger in seinem Blues Blazer

John's ist 500 Jahre alt, sieht aus wie ein Schloss und hat ein Stiftungsvolumen von 225 Millionen Pfund Sterling. Es hat einen berühmten Knabenchor und veranstaltet einen Sommerball, der vom "Time"-Magazin zu einer der zehn wichtigsten Partys der Welt gekürt wurde. John's hat 20 Staatsoberhäupter, zehn Nobelpreisträger und drei Heilige ausgebildet. Es gilt außerdem als das unbeliebteste College der Universität. Es gibt ein Lied, das in Cambridge gern gesungen wird und so geht: "We'd rather be at Oxford than St. John's." Ich habe nie ganz begriffen, woher diese Abneigung kommt, aber alle, die ich fragte, sagten mir, dass John's in der Tradition steht, besonders viele Public School Boys aufzunehmen, Schüler von britischen Privatschulen. John's ist das College der Snobs. Ich bewarb mich und wurde genommen.

Ich war eingeschüchtert, ich war begeistert

In meinen ersten Tagen schaute ich aus dem Fenster meines Zimmers auf den Kapellenhof. Eine Gruppe junger Männer lief über den Hof. Sie waren laut, vielleicht sangen sie. Sie strahlten aus, dass ihnen der Ort gehört. Sie hatten gut patinierte Lederschuhe an, trugen bunte Seidenfliegen und vermittelten mit jedem raumgreifenden Schritt, dass es ihnen egal ist, was andere über sie denken, weil sie mit sich selbst zufrieden sind. Später sagte mir einer von ihnen: "I just don't give a fuck."

Ich weiß nicht genau, womit manche Menschen solche Überlegenheit ausstrahlen, die bei mir dazu führt, dass ich mich klein fühle und still werde. Lange dachte ich, es sei die Körperhaltung, aber das ist zu einfach. Ich schaute auf die Jungs im Kapellenhof und war eingeschüchtert und begeistert. Sie trugen hellblaue Blazer.

Das war der Blues Blazer, ein Sakko in einem der schlimmsten Türkistöne, die die Menschheit erfunden hat. Eigentlich ist es ein Grau-Türkis. Außerhalb von Cambridge sieht man darin aus wie ein Clown. In Cambridge ist dieser Blazer eine Auszeichnung. Man bekommt ihn verliehen, wenn man in einer Sportart wie Rudern, Rugby, Hockey oder Boxen gegen Oxford aufläuft. Es gibt nur wenige Blues in Cambridge.

Oxford und Cambridge messen sich beim Britain Boat Race
AP

Oxford und Cambridge messen sich beim Britain Boat Race

Die kommenden zwei Trimester rauschten an mir vorbei. Ich las Constant, Kant und Hobbes, verbrachte Nächte in der Bibliothek, gewöhnte mich an Black Pudding und Ale.

Ich wurde Schwergewicht im Boxteam der Universität und kämpfte gegen Oxford. Mein bester Freund aus Deutschland schaute sich den Kampf an und sagte später, er sei sich sicher, dass wir die Nacht im Krankenhaus verbringen würden.

Die Tür zu einer anderen Welt

Der Blues Blazer verliert an Glamour, wenn man ihn trägt. Der Stoff ist eine Art hellblauer Teppich, er kratzt und hat die Fähigkeit, Hitze bis zum Morgen zu speichern.

Nachdem wir gegen Oxford gekämpft hatten, zogen wir die halbe Nacht mit blauen Augen und gebrochenen Nasen durch die Pubs. In dieser Nacht öffnete sich für mich die Tür zum anderen Teil der Universität. Ein betrunkener, massiver, junger Mann in einem Blues Blazer stellte sich neben mich und gratulierte mir, dann fragte er mich, ob ich Interesse an Societies habe. "Are you at all interested in societies?" Mir wurde warm, ich nickte.

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Der Club

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In Cambridge existieren mehrere Hundert Societies und Klubs. Ich bin mal aus Versehen zur Feminist Society gegangen, es gibt die Cambridge University Cheese Society, die CU Uzbekistan Society und die Open Relationship and Non-monogamy Society. Und dann gibt es die Gesellschaften und Klubs, die in keinem Jahresbericht der Universität erscheinen: die Adonians, einen geheimen Klub homosexueller Studenten, die angeblich Orgien auf ihren Sommerpartys feiern. Die Apostels, wo quasi jedes Mitglied Nobelpreisträger ist und die auf ihren klandestinen Treffen traditionell Sardinen auf Toast essen. Die Ferrets, eine Drinking Society, die so übertrieben ist, dass sie sich angeblich selbst abgeschafft hat, weil die Mitglieder glaubten, sonst sterbe bald einer. Und den Pitt Club, einen Klub für junge Männer, über den sich kaum etwas googeln lässt und über den auf den Partys der Studienanfänger nur Gerüchte kursieren, einen Klub, der in einem weißen Haus mit ionischen Säulen sitzt und wo sich angeblich die schlimmsten Snobs sammeln und wilde Partys feiern.

Bei den Aposteln (da war ich nie) geht es wahrscheinlich um gute Gespräche, bei den Adonians ums Schwulsein, bei anderen ums Saufen. Das St. John's College hat Drinking Societies verboten, was sie natürlich wesentlich interessanter macht. In John's gibt es unter anderem die Swans, die Ten Men und die Eagles.

Die Genüsse des Uranus

Ich wurde Mitglied im Hawks' Club, einer Studentenverbindung für Blues, mit einem schönen Klubhaus und einer Bar im Keller. Die Hawks haben relativ viele Mitglieder, Prinz Charles zum Beispiel. Man erkennt sich an der bordeaux-gold gestreiften Krawatte. Der Hawks' Club veranstaltet regelmäßig klubinterne Abende, bei denen Banker aus der City vorbeikommen und alte Hawks den jungen erklären, was der schnellste Weg ins Investment Banking ist.

Ich ging auch zu den Adonians, dem Geheimbund für schwule Studenten. Das Dinner war in Peterhouse, dem ältesten College der Universität. Als Vorspeise wurde gepökelte Taube serviert. Ich saß neben einem Mann, der sich Frauenohrringe mit Brillanten zu Manschettenknöpfen hatte umschmieden lassen. Nach dem Essen stand ein Mann auf und hielt eine Rede, die ich nicht begriff. Er sagte, man könne im ersten Stock noch ein wenig Rotwein trinken oder im Garten die Genüsse des Uranus entdecken. Ich lehnte mich zu meinem Sitznachbarn und fragte: "Uranus?"

"Your Anus", antwortete er.

Ich trank noch ein wenig Rotwein.

Ich wurde Mitglied einer Drinking Society, deren Namen ich nicht nennen darf. Beim Inititationsritual tat ich Dinge, die ich zuvor nicht für möglich gehalten hatte. Ich betete, dass ich die Nacht überlebe.

Diese Initiationsrituale sind ein Grund, warum Drinking Socities verboten sind. Ein Fellow in John's sagte mir, dass jede Woche ein Student so betrunken sei, dass die Pförtner einen Krankenwagen rufen müssten. Bei den Bears gehört es zum Ritual, dass man einen rohen Lachs verspeist, bei den Owls bekommt man einen Ohrring gestochen, bei den Wyverns muss man angeblich den ganzen Abend eine Tonne mit sich rumtragen, in der man sein Erbrochenes transportiert, während man weitertrinkt und kotzt. Bei den Caesarians bekommt man Elektroschocks zur allgemeinen Erbauung.

Das ist natürlich beknackt. Es wirkt ein wenig so, als würden die Männer ihre Pubertät nachholen, vielleicht ist es schwierig, in einem britischen Internat erwachsen zu werden. Viele Studenten kritisieren die Drinking Societies, aber vor allem, weil sie sich in der Mehrzahl aus reichen, weißen, heterosexuellen, ehemaligen Privatschülern zusammensetzen.

Dieses Thema wird in Cambridge dauernd diskutiert. Wie snobistisch sind die Societies? Sind sie frauenverachtend? Sind sie rassistisch? Sind sie gefährlich?

Wer drin ist, profitiert davon, dass andere draußen sind

Bei einem dieser Gespräche fragte ich einen anderen Boxer danach, was dran sei an den Gerüchten über den Pitt Club, dem Klub der Snobs. Er senkte seine Stimme, lehnte sich zu mir und sagte, wenn ich wolle, könne er mich mal mitnehmen, er sei Mitglied.

Der Pitt Club teilt sich ein schönes weißes Haus in der Jesus Lane mit der Fast-Food-Kette "Pizza Express". Draußen hängen eine Klingel und eine Kamera. Eine Treppe führt in einen holzvertäfelten Raum mit grünem Teppich. Der Gin Tonic kostet zwei Pfund, der Caesar's Salad ist hervorragend. Mein Freund ließ meinen Namen in ein Buch im Foyer schreiben, in dem die Namen von möglichen neuen Mitgliedern stehen, auf dieser Seite können die anderen Mitglieder unterschreiben, wenn sie den Neuen unterstützen möchten. Nach zwei Wochen war meine Seite vollgeschrieben.

Ohne es zu wissen, war ich von Männern aus dem Pitt Club umgeben gewesen. So wurde ich Mitglied. Ich traf in diesem Klub Jungs, die sich für etwas Besseres halten, aber auch Jungs, die wissen, dass besser und schlechter keine Kategorien sind, die sich auf Menschen anwenden lassen, weil sich der Wert einer Person nicht beziffern lässt.

Die Mitglieder, die ich traf, haben alle Geld. Alle hatten an Privatschulen gelernt. Einer war ein Nachfahre eines indischen Maharadjas, einer ein äthiopischer Prinz. Aber es existieren auch Mitglieder, die arm sind und von öffentlichen Schulen kommen (so sagte man mir jedenfalls). Was die Member einte, war ihr Selbstbewusstsein: Wir gehören dazu, and we don't give a fuck. Cambridge funktioniert als Institution durch Ausgrenzung.

Auch Prinz William (2.v.l.) hat am St. John's College studiert
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Auch Prinz William (2.v.l.) hat am St. John's College studiert

Das ist das Prinzip von Elite. Wer drin ist, profitiert davon, dass andere draußen sind. Es ist unfair. Das Leben ist unfair. Nicht jeder kann es nach Cambridge schaffen, manche wachsen als Erdnussfarmer in Malawi auf, manche müssen mit 18 bei Aldi arbeiten, um ihre Familie zu unterstützen, manche sind schlecht im Kopfrechnen.

Ich glaube, eine Gesellschaft sollte dafür sorgen, dass Ungerechtigkeiten so klein wie möglich werden: Armen sollten die Studiengebühren erlassen werden, zum Beispiel. Eine Gesellschaft sollte aber auch nicht alle Ungleichheiten ausgleichen wollen. Wir sind Menschen, wir sind gleich viel wert, aber nicht gleich. Manche werden schlau geboren, manche reich. Die Schlauen in Cambridge nennen ihren Klub Apostel. Die Reichen nennen ihren Klub Pitt Club. In beiden Klubs schließen sich Menschen zusammen, weil sie etwas eint, mit dem sie auf die Welt gekommen sind. Warum sollte das eine gerecht und das andere falsch sein?

Ich glaube, es ist in Ordnung, dass es Eliten gibt und Institutionen wie den Pitt Club. Die Mitglieder helfen sich, sie schieben sich Jobs zu, sie setzen sich füreinander ein. Menschen machen das auch in Deutschland. Wir weben uns Netzwerke, weil alle, die drin sind, davon profitieren, dass andere draußen stehen. Es ist moralisch nicht verwerflich, aber das macht es nicht gut.

In England kann man beobachten, wozu das führen kann. Die Klassengesellschaft liegt dort fest wie Gussbeton. David Cameron und Boris Johnson waren in derselben Drinking Society in Oxford. Die Banker, die mächtigen Politiker, die Wirtschaftsbosse haben mehrheitlich in Oxbridge gelernt, die meisten sind weiß, männlich, heterosexuell, und, ich wette, Mitglieder in Drinking Societies.

Ich war auf einer Party - das Motto: Gott

Dazu gibt es eine Korrelation, die auch andere Gründe haben kann, aber ich vermute, dass Snobismus dafür mitverantwortlich ist: Die Finanzbranche ist entfesselt und ohne jedes Maß; die Wirtschaft schwächelt, weil nicht die besten nachrücken, sondern die nächsten. Juniorchef wird nicht der talentierte Aldi-Verkäufer, sondern der Freund, der es schlechter kann, aber eine Klubkrawatte in denselben Farben trägt wie der alte Chef. Die Politiker der Tories haben der Europäischen Union gerade den Brexit beschert. Es lief schon besser für England.

Erstaunlicherweise denken fast alle so, mit denen ich in Cambridge gesprochen habe. Wenn der Pitt Club einlädt, kommen sie trotzdem. Ich war dort auf einer Party, das Motto lautete: Gott. Der Pitt Club nimmt keine Frauen als Mitglieder auf, und normalerweise bleibt Frauen der Zutritt verwehrt, weil sie Frauen sind (die Logik dahinter konnte mir niemand erklären). Es ist wie im Mittelalter. Aber bei dieser Party waren Frauen eingeladen: die 200 schönsten Frauen der Universität, kluge, vermeintlich emanzipierte Menschen, die Moralphilosophie studieren und Atomphysik. Sie kamen alle.

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Mein bester Freund aus England wohnt in einem Anwesen in Richmond, er war auf einem der besten Internate des Landes, und sein Vater besitzt so viel Geld, dass mein Freund nie arbeiten müsste. Als der Pitt Club ihn fragte, ob er dazugehören wolle, lehnte er ab. Als ich gefragt wurde, versuchte er, mir den Klub auszureden. Er sagte einen Satz auf Englisch, der sich kaum übersetzen lässt: "Why do you need a club for a sense of belonging?"

Cambridge ist ein Ort der Lehre und Forschung, er funktioniert, weil die Studenten dort von den Besten lernen dürfen. Cambridge ist größer als Klubs, die ihr eigenes Klischee lebendig werden lassen, weil es erstaunlich viele Menschen cool finden, ein Snob zu sein. Aber Cambridge organisiert sich auch in kleiner werdenden Kreisen. Erst glaubst du, es komme darauf an, es an die Universität zu schaffen, dann geht es darum, wer im vermeintlich besten College ist. Je nachdem, was man vom Leben will, geht es so weiter. Gehöre ich zu den besten zehn Prozent meines Jahrgangs? Bin ich in der Union? Bin ich ein Blue? Bin ich im Pitt Club?

Irgendwann steht man in einem sehr kleinen Kreis. Man ist The One. Und einsam.

Es ist leicht, sich von der Elite zu distanzieren, wenn man dazugehört. Man könnte sagen, es ist der Versuch, den Inner Circle noch ein wenig kleiner zu machen.

Normalerweise gilt die Mitgliedschaft in den Klubs und Societies von Cambridge auf Lebenszeit. Mal sehen.

insgesamt 77 Beiträge
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Seite 1
olli0816 22.04.2017
1. Eigentlich schade
Es ist das erste mal, dass ich etwas über die internen Zirkel gelesen habe. Letztendlich wird die Uni mit viel Elite und Tradition verkauft und es ist sicher ein Erlebnis, dort sein zu dürfen. Die Beschreibung der inneren Zirkel fand ich sehr interessant. Man sieht, es menschelt eben überall, auch bei der Elite. Warum haben Sie denn aufgehört, dort zu studieren? Ein Abschluß ist sicherlich sehr viel wert, auch wenn man cvielleicht schnell als Journalist arbeiten möchte.
CambridgeStudent 22.04.2017
2. Exzellenter Artikel
Nur selten schreibe ich etwas im Forum auf Spiegel. Aber in diesem Fall habe ich mich entschlossen, einen kurzen Kommentar zu schreiben. Dieser Artikel beschreibt sehr gut meine eigene Erfahrung in Cambridge. Die Universität ist sehr, sehr elitär und wie der Autor beschreibt, gibt es unzählige Societies/Clubs/Auszeichnungen, die das Ganze innerhalb der Uni noch weiter treiben. Allerdings ist Cambridge nicht mehr das, was es einmal war (oder vielleicht nie gewesen ist...). Es ist viel mehr Schein als Sein. Das Studium ist extrem kurz. Die Trimester dauern alle nur 2-3 Monate, d.h. man hat fast das halbe Jahr frei. Ein Bachelor Studium dauert nur 3 Jahre, die man komplett durchziehen kann ohne jegliche Praxiserfahrung zu sammeln. Die Lehrqualität ist im Grunde erschreckend niedrig. Aber den Studenten wird von jeder Seite konstant eingetrichtert, dass Sie etwas Besseres seien, ohne jegliche Leistung dies zu untermauern. Die Absolventen sind fachlich nicht besonders gut ausgebildet, aber meistens Schaumschläger erster Klasse mit einem Netzwerk, der Ihnen Zugang zu den besten Jobs in London bietet. Auch in der Forschung ist Cambridge längst nicht mehr vergleichbar mit den wirklich Top-Institutionen. Die besten Forscher zieht es längst an andere Orte. Ich habe Cambridge als extrem enttäuschend empfunden. Vielleicht eine passende Analogie zu Grossbritannien: Vor einiger Zeit mal bedeutend und führend auf der Welt, aber mittlerweile immer nur noch eine verstaubte Institution, die nur noch von den Traditionen lebt und sich einredet immer noch wichtig zu sein.
lockotron 22.04.2017
3. Nicht meine Erfahrung
Ich habe auch in St John's studiert und der Artikel spiegelt nicht meine eigene Erfahrung wieder. Ich selber komme nicht aus reichen Verhältnissen, bin mit einem Stipendium an die Uni gekommen, und habe mich dort von vielen sehr gebildeten, aber bestimmt nicht reichen Studenten umgeben gefühlt. Die meisten Kommilitonen waren wegen ihrer akademischen Leistungen da, nicht ihrer Herkunft. Sicher, Clubs existieren, und man sieht auch die beschriebenen Snobs, für mich hat dies aber niemals die Gesamtkultur am College oder der Uni dominiert. Vielleicht hat sich der Autor einfach mit den falschen Leuten umgeben? Dass Prinz William an St John's studiert hat, wie die Bildunterschrift suggeriert, ist übrigens falsch.
tailspin 22.04.2017
4. An einem Mitwochabend im Pitt Club
'Der Cesar Salat ist exzellent.' Ich kann mir ueberhaupt keinen Cesar Salat vorstellen, der in irgendeiner Form exzellent sein kann. Da startet schon mit der farb- und geschmacklosen Iceberg Salatsorte, die da normalerweise reinkommt.
spontanistin 22.04.2017
5. Na und?
Worin besteht denn nun der Unterschied zum Burschenschafts- und Logen(un)wesen bei uns? Wer einmal an der Macht ist, gibt sie selten freiwillig ab (man schaue sich nur mal die aktuellen Sendungen zu Adenauer an)! Das gleiche gilt für Besitz/Reichtum. Wenige Heilige, die das demonstrativ tun, landen am Kreuz oder im Elend. Ab und zu hat mal ein gewaltiger Krieg mit ungeplant vielen Opfern unter der Elite etwas die starren Verhältnisse erschüttert. Nach dem Wiederaufbau ist aber wieder alles bei den bewährten Strukturen.
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