Neues Lernen Dieser Prof gibt Vorlesungen bei YouTube statt im Hörsaal

Hunderte Studenten, die sich in überfüllte Hörsäle quetschen -  das wollte Martin Bonnet nicht mehr. Der Kölner Maschinenbau-Prof stellt seine Vorlesungen bei YouTube ein. Seither bestehen mehr Leute die Klausur.

Martin Bonnet
Martin Bonnet/ TH Köln/ YouTube

Martin Bonnet


Auf 3,7 Millionen Minuten Sendezeit hat es Martin Bonnet bereits gebracht. Das sind mehr als sieben Jahre. So lange sahen sich Studenten die YouTube-Videos des Maschinenbauprofessors an - und das bei einem eigentlich trockenen Thema: Werkstofftechnik.

"Videos eignen sich sehr viel besser für eine individuelle Lernweise", erklärt Bonnet. Der eine springt noch mal zurück, ein anderer zieht ein Buch hinzu.

Auf die Idee zu den selbst produzierten Filmen kam der Hochschullehrer vor fünf Jahren: "Hunderte Studenten setzen sich in öffentliche Verkehrsmittel, nur um meine Vorlesung zu hören", erinnert er sich. "Das ist doch eigentlich Unsinn!"

Bonnet tat dann etwas, das wenige seiner Kollegen tun: Er ging zum Zentrum für Hochschuldidaktik an der TH Köln und ließ sich beraten. Zurück kam er mit dem Konzept des "flipped classroom". Das bedeutet: Die Studierenden lernen den Stoff mithilfe der Videos daheim und wenden ihn in der Uni an. Das Prinzip Vorlesung wird auf den Kopf gestellt.

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Mittlerweile hält Bonnet Vorlesungen nur noch im Masterbereich. Die meisten Module bietet er als "flipped classroom" an.

Mit Erfolg: "Die Studenten kommen vorbereitet zu den praktischen Übungen - und können direkt mitdiskutieren", freut er sich. "Das macht allen Beteiligten mehr Spaß."

Vor der Umstellung bestand lediglich jeder Zweite die Einführungsklausur, heute fallen nur noch zehn Prozent beim Test durch.

"Inzwischen gibt es auch Kollegen, die ihre Lehrveranstaltungen flippen." Natürlich funktioniere das nicht für jeden: "Das Medium Video muss auch zum Fach und zur Lehrperson passen."



insgesamt 47 Beiträge
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gott777 19.03.2018
1. Öffentlich zugängliche Bildung
Es freut mich, wenn Universitäten den Weg an die Öffentlichkeit gehen. Weg von diesem Elitedenken, nur wer die richtigen Noten, das richtige Geld und den richtigen Wohnort hat, darf auch Zugang zu dem Wissen haben. Je mehr Wissen öffentlich gemacht wird, desto besser für die Gesellschaft. Ich frage mich schon lange, warum es das nicht viel mehr gibt. Nehmt als Beispiel die Archäologie. Die ist oft ein Thema, für das sich eher ältere Menschen interessieren, die aber bereits einen Beruf und/oder Familie haben und keine Zeit mehr für das reguläre Studium haben. Lasst sie doch via Video an Lehrveranstaltungen teilnehmen und sich über das was sie interessiert informieren. Es muss ja keinen Abschluss geben, es geht nur um die Wissensvermittlung.
touri 19.03.2018
2.
Finde das Vorgehen auch besser als die traditionelle Variante. Zumindest, solange es die Möglichkeit gibt, dem Prof auch Rückfragen zukommen zu lassen, die zeitnah beantwortet werden (vielleicht durch feste Zeiten, in denen er sich in einem (voice) Chat aufhält).
jopad 19.03.2018
3. Vielleicht neu bei uns...
... im angelsächsischen Raum schon wieder mal seit langem Gang und Gäbe. Die guten Sachen scheinen weit weniger schnell über den großen Teich zu schwappen als der sonstige Mist...
dasfred 19.03.2018
4. Tolles Konzept
Das hätte mir damals auch gefallen. Das lernen dem Biorhythmus anpassen, statt nachfragen zurückspielen oder mehrfach wiederholen. Ich habe vor Jahren feststellen müssen, dass ich mich nach ewigen Zeiten an Spielfilme oder bestimmte Fernsehsendungen erinnern konnte, aber nur minimale Bruchstücke aus dem Unterricht oder Studium in meiner Erinnerung erhalten sind. Wahrscheinlich ist die Wahrnehmung eine andere, aber wenn es wie hier funktioniert, dann Glückwunsch, dass es endlich mal jemand in der Praxis durchführt.
mapcollect 19.03.2018
5. Warum ist das einen Artikel wert ?
Warum machen das nicht viel mehr Profs ? Würden dadurch auch viel Zeit sparen die man besser in Forschung investieren könnte. Wenn ich an meine Vorlesungen zurückdenke, war ein großer Teil ziemliche Zeitverschwendung, da gähnend langweilig. Vielleicht sollten sich Profs und Fakultäten zusammentun und gemeinsam Videovorlesungen produzieren (lassen): Didaktisch optimiert. Da würden beide Seiten von profitieren: Lehrende und Studierende
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