Noteninflation Was ist eine Eins noch wert?

Immer mehr Absolventen verlassen die Uni mit Bestnoten. Laut einer Untersuchung spielt das Alter der Professoren eine Rolle - und ihr Geschlecht.

Studenten in Göttingen (Archivfoto)
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Studenten in Göttingen (Archivfoto)


Eine Drei - geht gar nicht. Bei einer Zwei - fließen auch noch Tränen. Und selbst ein Sehr gut ist oft nicht mehr gut genug, wenn hinter dem Komma keine Null steht. Die Noten an deutschen Hochschulen werden immer besser. Nie zuvor haben so viele Studenten die Universitäten mit so exzellenten Examen verlassen.

Auch bei der Doktorarbeit stehen die Chancen auf ein "Summa cum laude" gut, wenn man die richtige Uni oder das richtige Studienfach wählt. Es gibt Fächer, da wird kaum noch gesiebt. "Etwa in Biologie oder Psychologie, in denen die Eins die häufigste Note ist", sagt der Flensburger Forscher Volker Müller-Benedict. Er wollte wissen: Was ist eine Eins noch wert?

Deshalb hat er mit einem Team 138.000 Prüfungsakten, 700.000 Examensnoten und 5,3 Millionen Notenstatistiken von 1960 bis heute verglichen. Das Ergebnis: Klug oder nicht - in manchen Fächern hängt es schlicht von der Konjunktur ab, wie gut die Zensuren ausfallen. "Fehlen auf dem Arbeitsmarkt Lehrer und Psychologen, gibt es mehr Top-Absolventen", sagt Müller-Benedict. "Schreiben sich hingegen zu viele Biologen und Germanisten ein, werden die Zensuren schlechter."

Augen auf bei der Uni-Wahl

In Jura ist dagegen eine Vier immer noch so viel wert wie eine Zwei in anderen Fächern, Durchschnitt. Ein Voll Befriedigend reicht für ein Prädikatsexamen. Es hängt also vom Fach ab, allerdings auch von der Uni und Laune der Lehrenden. Die Zahlen sagen: Je älter ein Professor ist, umso besser sind die Noten. Frauen urteilen meist milder als Männer.

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Und für angehende Doktoranden gilt: Augen auf bei der Uni-Wahl. Vor allem in Mannheim und Gießen regnet es "Summa cum laude" für Doktoranden in den Wirtschaftswissenschaften. Das hat eine zweite Studie ergeben, die das Deutsche Zentrum für Hochschul- und Wissenschaftsforschung vorgelegt hat. In Marburg, Heidelberg oder der HU Berlin hingegen geizen die Professoren mit der begehrten Auszeichnung.



insgesamt 87 Beiträge
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Seite 1
unzensierbar 23.06.2017
1.
Wie ich schon oft gesagt habe, liegt das Problem nicht an der Noten-"inflation", sondern an dem was von Arbeitgebern, etc. erwartet wird. Wenn Arbeitgeber nur noch 1er Studenten eine Stelle anbieten, müssen Unis eben nachziehen indem sie mehr 1er Noten vergeben.
dirsch 23.06.2017
2.
Scheint mir eher eine ungesunde Entwicklung zu sein. Wenn es nur noch Einsen und Zweien gibt, sind die Ansprüche zu niedrig. Mir hat man noch beigebracht, dass z.B. Aufgaben ausgewogen sind, wenn die Notenverteilung der Gausschen Glockenkurve entspricht, dass im Grunde eine 3 nicht wirklich eine schlechte Note ist sondern guter Durchschnitt. Auch wenn "Durchschnitt" heute eher negativ besetzt ist....
fred45 23.06.2017
3. Vergleichbarkeit nicht gegeben
All diese Studien und Berichte kranken daran, dass nur auf die Abschlussnote geschaut wird. Es wird nicht berücksichtigt, dass in die technischen und naturwissenschaftlichen Fächer schon während des Studiums extrem sieben. Da schaffen es dann die besten 20 bis 40% (geschätzt aufgrund eigener Beobachtungen) bis zum Abschluss, und die haben natürlich dann auch super Noten. In Jura hingegen wird jeder, egal was für eine Performance er (oder sie) hinlegt, bis zur Abschlussprüfung mitgeschleppt. Kein Wunder dass der Notenspiegel dann ganz anders ausschaut. Durch diese stark vereinfachenden Vergleiche wie in dem SPON Artikel werden die guten Absolventen der Fächer mit konstanter Selektion gegenüber denen aus Fächern, die sich einen Dreck kümmern, ob das Fach überhaupt was für den Kandidaten ist, abgewertet. Ich finde das unfair sowohl gegenüber den Absolventen als auch den Professoren.
hansulrich47 23.06.2017
4. Es gibt längst andere Kriterien
Zum Beispiel: Hat ein Bewerber auf eine Position 'schwierige Fächer' (wie Mathe, Chemie usw) schon in der Schule abgewählt? Hat er solide Kenntnisse in Fremdsprachen? Oder hat er nur ein wenig von allem gemacht? (Also nix richtig.) Liegt der Schwerpunkt seines Abis auf Babbelfächern? Und natürlich: Kommt er aus Bayern oder Bremen?
Trockenfisch 23.06.2017
5.
Zitat von unzensierbarWie ich schon oft gesagt habe, liegt das Problem nicht an der Noten-"inflation", sondern an dem was von Arbeitgebern, etc. erwartet wird. Wenn Arbeitgeber nur noch 1er Studenten eine Stelle anbieten, müssen Unis eben nachziehen indem sie mehr 1er Noten vergeben.
Das ist doch aber Unfug, wenn es nur noch eine geringe Anzahl Einser Abschlüsse gibt dann müssen die Arbeitgeber die offenen Stellen mit Zweier Absolventen besetzen. Jetzt ist es doch für die Unternehmer eher schwer eine Auswahl zu treffen wenn nur Top Absolventen auf dem Markt herumgeistern.
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