Panne bei Uni-Zusagen "Für den Studiengang war das eine Katastrophe"

137 Plätze - und mehr als tausend Zusagen: Wegen einer IT-Panne wurden an der OTH Regensburg im Wintersemester viel zu viele Studienplätze im Fach Soziale Arbeit vergeben. Was ist aus dem Chaos geworden?

Ostbayerische Technische Hochschule Regensburg
OTH Regensburg

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UNI SPIEGEL: Herr Baier, vor ein paar Wochen hat das Sommersemester begonnen. Ist mit den Bewerbungen diesmal alles gut gegangen?

Wolfgang Baier: Ja. Wobei man sagen muss, dass zum Sommer auch immer deutlich weniger Studenten bei uns anfangen.

UNI SPIEGEL: Zum Wintersemester waren es dafür umso mehr. Am Ende haben 461 das Bachelor-Studium begonnen. Wie haben Sie das hingekriegt?

Baier: Für den Studiengang war das eine Katastrophe, weil das Lehrpersonal fehlte und die Fakultät für Sozial- und Gesundheitswissenschaften nicht über genügend Räume verfügt.

UNI SPIEGEL: Und dann?

Baier: Zum Glück haben sich einige Lehrkräfte bereit erklärt, mehr zu arbeiten. Dafür bin ich sehr dankbar. Zudem haben ehemalige Kollegen wieder Lehraufträge angenommen. Und wir haben zwei Lehrkräfte und eine Fakultätsassistentin zusätzlich eingestellt, dazu mehr Tutoren und Hilfskräfte.

UNI SPIEGEL: Mussten die Studierenden sich denn in überfüllte Seminarräume quetschen?

Baier: Gott sei Dank nicht. Andere Fakultäten haben mit Räumen ausgeholfen. Auch die benachbarte Uni Regensburg hat uns unterstützt, indem sie uns ihr Audimax für die Erstsemesterbegrüßung zur Verfügung gestellt hat.

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UNI SPIEGEL: Werden Sie noch oft auf diese Panne angesprochen?

Baier: Lange nicht mehr so häufig wie noch vor einem halben Jahr. Das steckt aber schon noch in vielen Köpfen.

UNI SPIEGEL: Ist das schlimm?

Baier: Ich habe kein Problem damit, weil wir es am Ende gut gemeistert haben. Und es ist allen bewusst, dass es nicht nur unser Fehler war, sondern die Schwächen des bundesweiten Bewerbungssystems DoSV dazu beigetragen haben.

UNI SPIEGEL: Inwiefern? War es nicht einer Ihrer IT-Mitarbeiter, der versäumt hat, die korrekte Zulassungsbeschränkung einzutragen?

Baier: Nein, nicht allein. Es lag auch daran, dass die Daten aus unserem hochschuleigenen nicht automatisch ins bundesweite System übertragen werden. Man musste sie händisch eingeben und konnte sie danach nicht mehr überprüfen. Da wurde zum Glück inzwischen nachgebessert.

UNI SPIEGEL: Können Sie heute über die Panne lachen?

Baier: Nicht unbedingt. Sie kostet uns schließlich eine ganze Menge Geld. Wir rechnen in den nächsten dreieinhalb Jahren mit Mehrausgaben in Höhe von etwa 1,5 Millionen Euro. Hinzu kommt: Das erste Semester haben wir gut geschafft. Aber wir müssen sehen, wie wir den weiteren Studienverlauf auf die vielen Teilnehmer anpassen, beispielsweise wenn es darum geht, Praktikumsplätze zu organisieren.



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