Deutscher Meister im Gehen "Was nicht geht, sind Partys"

Carl Dohmann, 27, besteht fast nur aus Haut und Knochen: Mit 1,84 Meter wiegt er gerade mal 61 Kilo. Völlig normal in seiner Sportart, dem Gehen. 30 Stunden trainiert der Student pro Woche - wie schafft er das?

Carl Dohmann am 2017 in London
DPA

Carl Dohmann am 2017 in London


Dreimal gewann Carl Dohmann die Deutsche Meisterschaft über 50 Kilometer, bei der WM in London wurde er Zehnter. Nebenbei schreibt der VWL-Student seine Bachelorarbeit. Hier erzählt er, wie er das schafft.

UNI SPIEGEL: Willst du bei einem Rennen auf der Zielgeraden nicht manchmal einfach loslaufen?

Dohmann: Nein. Ich gehe ja schon seit mehr als 15 Jahren. Das ist so drin, da kommt man gar nicht auf die Idee, plötzlich zu rennen.

UNI SPIEGEL: Du kannst schneller, aber du darfst nicht.

Dohmann: Das stimmt. Aber Regeln sind Regeln. Der Geher muss immer Kontakt zum Boden haben. Und das Bein muss gestreckt sein, wenn der Fuß auftritt. Dadurch entsteht dieser hüftwacklige Gang, der für viele komisch aussieht.

UNI SPIEGEL: Wie kommt man zu dieser Sportart?

Dohmann: Als Kind war ich sehr an Fußball interessiert, aber nicht wirklich sportlich. Einmal habe ich meine jüngere Schwester vom Leichtathletiktraining abgeholt, da hat mich ihre Trainerin gefragt, ob ich nicht mitmachen wolle. Von meiner Statur - ich war sehr schmal - war ich kein Sprinter oder Werfer. Also blieb der Ausdauersport, nur für das Laufen fehlte mir die Schnelligkeit. Mein Trainer sagte mir mal, dass er insgeheim nicht geglaubt habe, dass aus mir ein erfolgreicher Sportler werden könnte.

Hol Dir den gedruckten UNI SPIEGEL!
Den UNI SPIEGEL gibt's auch kostenlos an den meisten Hochschulen.

UNI SPIEGEL: Trotzdem hast du weitergemacht?

Dohmann: Irgendwann kamen die ersten Erfolge. Da ich nicht sehr selbstbewusst war, hat mir das gutgetan. Es ist auch befriedigend, allein gegen seinen Schweinehund anzukämpfen. Entschädigt wird man bei Momenten wie der WM in London, wenn Tausende Zuschauer an der Strecke stehen.

UNI SPIEGEL: Wie viel trainierst du?

Dohmann: Montags und freitags einmal, an den anderen Tagen zweimal - insgesamt sicher 30 Stunden pro Woche.

UNI SPIEGEL: Wie gehst du ein Rennen an?

Dohmann: Alles bis Kilometer 30 ist eigentlich noch Training. Da ist es wichtig, möglichst viel Kraft zu sparen. Die letzten 20 Kilometer sind dann der Wettkampf, da muss man alle Reserven mobilisieren. Immerhin gehe ich bei einem Rennen im Schnitt einen Kilometer in 4:30 Minuten. Einen Marathon würde ich also in etwas über drei Stunden schaffen.

UNI SPIEGEL: Einen Bachelor in Geschichte und Soziologie hast du schon, aktuell studierst du VWL. Bist du Student und nebenbei Sportler - oder andersrum?

Dohmann: Ich bin schon eher Sportler. Vor allem in den vergangenen zwei Jahren habe ich mein Studium runtergefahren, um mich auf den Sport zu konzentrieren. Aber es tut gut, sich mal mit etwas anderem als Gehen zu befassen.

UNI SPIEGEL: Hast du bei dem Pensum überhaupt noch Freizeit?

Dohmann: Ich achte darauf, dass ich welche habe, und treffe mich gern mit Freunden. Was nicht geht, sind Partys. Da gibt es kaum Ausnahmen, höchstens an Silvester oder nach einem großen Wettkampf.



insgesamt 1 Beitrag
Alle Kommentare öffnen
Seite 1
hisch88 26.03.2018
1.
Das Carl Dohmann deutscher Meister im "Gehen" ist, ist sicherlich eine Berichtserstattung wert. Was das aber mit Größe und Gewicht zu haben sollte ist mir schleierhaft. War Hobby - Sportler, vom Handball, Schwimmen, Tauchen, Fallschirmspringen, Joggen bis Reiten, ... und hab bei 188 cm 65 kg bis zum 40 Lebensjahr gewogen.
Alle Kommentare öffnen
Seite 1

© UNI SPIEGEL 1/2018
Alle Rechte vorbehalten
Vervielfältigung nur mit Genehmigung der SPIEGELnet GmbH


TOP
Die Homepage wurde aktualisiert. Jetzt aufrufen.
Hinweis nicht mehr anzeigen.