So wohnen Studenten Ein Hocker gegen das Heimweh

Neue Wohnung, neue Stadt, neue Freunde: Damit sich der Studienort nicht so fremd anfühlt, nehmen Studenten gern etwas Vertrautes von daheim mit. Wir haben fünf von ihnen gefragt, was sie eingepackt haben.

Sanda Schubert / Felix Hecht / Anna-Lena Voth

Von Christine Haas


Louis López López, 19, aus Freiburg begann zum Wintersemester ein Geschichtsstudium in Dresden. Mit dabei: ein Foto von der Erde.

"Das Bild hilft mir, den Horizont zu erweitern."
Maximilian Burmeister

"Das Bild hilft mir, den Horizont zu erweitern."

Das Bild hat mir mein Opa vor einigen Jahren gegeben. Er sagte, das sei die erste Fotografie, die jemals aus dem All von der Erde gemacht worden ist. Bisher hing sie an der Wand hinter meinem Schreibtisch zu Hause in Freiburg. Wenn ich beim Lernen für das Abi mal wieder durchgedreht bin, habe ich mich mit dem Stuhl umgedreht und die Erde angeschaut. Dann habe ich mir gedacht: Auf dieser Kugel gibt es so viele größere Probleme. Das hat mich wirklich geerdet. Gleichzeitig wird mir bewusst, wie viele Menschen auf dieser Ansammlung von Gestein und Mineralien leben. Im Alltag hat man ja ein sehr begrenztes Sichtfeld; da hilft das Bild, den Horizont zu erweitern. In Zukunft werde ich beim Betrachten bestimmt an die Abi-Zeit denken - und daran, dass ich oft an mir gezweifelt habe, aber eigentlich immer alles gut gegangen ist. Das Bild ist also eine Motivation für mich, und es erinnert mich an meine Familie.


Laura Minner, 19, hat in Allersberg bei Nürnberg gewohnt. Zum Pädagogikstudium ist sie ins nahe gelegene Eichstätt gezogen. Mit dabei: ein alter Schrank ihrer Eltern.

"Der Schrank stand in der ersten Wohnung meiner Eltern."
Laura Minner

"Der Schrank stand in der ersten Wohnung meiner Eltern."

Mein Apartment im Wohnheim ist 18 Quadratmeter groß, inklusive Bad und Küchenzeile. Auf so engem Raum ist es wichtig, keinen Platz zu verschwenden. Deshalb ist der quadratische Schrank optimal, den sich meine Eltern damals gekauft haben, als sie zusammengezogen sind. Später stand er jahrelang bei uns im Keller, jetzt kann ich darin Lebensmittel und Töpfe verstauen. Mein Vater hat noch eine Platte daraufgeschraubt und am Boden vier Stäbchen befestigt, so kann ich auch darunter wischen. Der Schrank hat keinen hohen Wert, aber er erfüllt seinen Zweck und gefällt mir sehr gut. Es ist ein zeitloses Stück, das ich auch beim nächsten Umzug auf jeden Fall wieder mitnehmen möchte. Dann muss man nichts Neues kaufen und hat gleichzeitig etwas, das an zu Hause erinnert, ein Stück Heimat. Und meine Eltern meinen, dass es ja auch etwas Verbindendes hat: Sie hatten den Schrank in ihrer ersten Wohnung - und genauso ist es jetzt bei mir.


Felix Hecht, 19, macht ein Orientierungsstudium mit Schwerpunkt Sprache, Philosophie, Psychologie und Soziologie im nordrhein-westfälischen Witten. Er kommt aus Berlin. Mit dabei: ein Rennrad.

"Mein Rad ist ein Stück Vergangenheit"
Felix Hecht

"Mein Rad ist ein Stück Vergangenheit"

Ich wohne zwölf Kilometer von der Uni entfernt, die Busverbindung ist blöd, von daher ist das Fahrrad das praktischste Fortbewegungsmittel. Ich mag es, wenn mir der Wind beim Fahren durch die Haare weht. Die Straßen sind hier zwar schlecht, aber zum Glück ist der Ruhrtal-Radweg in der Nähe. Mein Rad durch ein neues zu ersetzen kam nicht infrage. Ich mag die Farbe und den alten Stil. Die Gangschaltung ist nicht am Lenker, sondern am Rahmen. Zum Schalten muss ich eine Hand vom Lenker nehmen und einen Hebel am Rahmen umlegen. Für mich ist das ein Stück Vergangenheit. In Berlin war ich viel mit dem Rad unterwegs. Wenn ich in den Semesterferien heimfahre, nehme ich es mit - anderthalb Monate sind eine lange Zeit, da würde ich es vermissen. Und in meiner Wohnung in Witten bleibt im Flur ein Platz dafür frei. Wenn es regnet, stelle ich es dort ab, es soll ja nicht nass werden.


Sandra Schubert, 19, will Bauingenieurwesen studieren und zieht deshalb gerade von Görlitz nach Erfurt. Mit dabei: ein selbst gestalteter Hocker.

"Alte Möbel zu bearbeiten, macht mir Spaß."
Sanda Schubert

"Alte Möbel zu bearbeiten, macht mir Spaß."

Meine Schwester hatte mir meinen Schreibtischstuhl weggenommen, deshalb brauchte ich eine neue Sitzgelegenheit. In den Geschäften fand ich nichts, was mir gefiel. Aber alte Möbel zu bearbeiten, macht mir sehr viel Spaß. Deshalb habe ich mir einen alten Hocker meines Vaters geschnappt und ihn nach meinen Vorstellungen hergerichtet. Der Lack war zuvor dunkelbraun und total schäbig. Den habe ich gründlich abgeschliffen, sonst hält die neue Farbe nicht. Dann habe ich den Hocker mit weißem Holzlack angemalt und ein Fell drübergelegt. Das sieht sehr chic aus. Mein neues Zimmer ist noch nicht eingerichtet, deshalb hat der Hocker bisher keinen festen Platz. Aber egal, ob zum Sitzen oder als Nachttisch - so ein Stück kann man immer gebrauchen. Vor allem, weil es selbst gemacht ist, darüber freue ich mich viel mehr als über etwas Gekauftes.


Anna-Lena Voth, 21, macht ihren Bachelor in Multimedia-Production an der Fachhochschule Kiel. Ursprünglich kommt sie aus Ratzeburg. Mit dabei: die CD-Sammlung.

"Ich will Musik nicht nur digital besitzen."
Anna-Lena Voth

"Ich will Musik nicht nur digital besitzen."

Als ich umgezogen bin, konnte ich viele Sachen nicht mitnehmen; das neue Zimmer war zu klein. Aber meine CDs, die mussten mit, damit ich irgendwas habe, was ich schon kenne. Sie haben mir am Anfang sehr geholfen, als in der neuen Wohnung Fernsehen und Internet nicht funktioniert haben. Meine Sammlung ist groß, ich habe mehr als 200 CDs, sie füllen zwei Regale. Es ist viel Rock dabei, Gitarrenstücke, Hip-Hop. Meine Lieblingsband sind die Beatsteaks. Mit jedem einzelnen Album verbinde ich verschiedene Phasen meines Lebens. Daran werde ich erinnert, wenn ich eine CD irgendwann zufällig im Regal wiederfinde. Deshalb ist es mir wichtig, Musik nicht nur digital zu besitzen. Mir gefällt auch, dass die Künstler sich bei Alben genau überlegen, womit sie anfangen und wie sie aufhören. Dahinter steckt ein richtiges Konzept.

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