Das Berliner Robert-Koch-Institut hat einen Katastrophenplan ausgearbeitet, der regelt, wie die deutschen Behörden auf eine besonders aggressive Grippewelle reagieren müssten. „Im Falle einer Pandemie wird selbst unser hoch entwickeltes Gesundheitssystem überfordert sein“, sagte Reinhard Kurth, der Leiter der für Infektionskrankheiten zuständigen Bundesbehörde, in einem Gespräch mit dem Nachrichten-Magazin DER SPIEGEL. Deshalb sei es erforderlich, möglichst schon im Voraus festzulegen, wer bevorzugt Impfstoff erhalten solle. „Als Erstes wird das medizinische Personal, also Ärzte und Schwestern, geimpft“, sagte Kurth. Die nächsthöhere Priorität komme dann Feuerwehr, Polizei, aber auch denjenigen Amtsstuben zu, die zum Erhalt der öffentlichen Sicherheit erforderlich seien. Anders als in der Schweiz, wo es bereits ähnliche Pläne gibt, habe man den politisch Verantwortlichen keinen Vorrang zugebilligt, sagte Kurth weiter. Auch bei der Bundeswehr sähe der Entwurf keine spezielle Dringlichkeit vor: „Das sind junge Leute“, so Kurth im SPIEGEL, „die hoffentlich alleine mit dem Virus fertig werden können.“ Vor dem Inkrafttreten muss der Katastrophenplan noch mit den 16 Bundesländern abgestimmt werden.
Im Falle eine Grippe-Pandemie werde es „plötzlich einen Wettlauf um den Impfstoff“ geben, prophezeit der Virologe Kurth. Das Robert-Koch-Institut kam bei Hochrechnungen zu dem Schluss, dass bis zu 25 Millionen Impfdosen in Deutschland erforderlich wären, um alle chronisch Kranken und alle über 60 Jahre alten Menschen zu schützen. Wenn aber ein neuer, besonders gefährlicher Virenstamm entsteht, könne es zunächst Monate dauern, bis ein wirksamer Impfstoff entwickelt sei, erklärte Kurth im SPIEGEL. Und selbst dann könnten die beiden deutschen Impfstoffhersteller in Dresden und Marburg maximal drei Millionen Dosen pro Woche herstellen, von denen wiederum drei Viertel ins Ausland exportiert würden. (DER SPIEGEL 52/2000, Seite 184)
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