Nach einer Alarmmeldung der Europäischen Kommission wegen BSE-Verdachts bei Schafen bereiten sich sämtliche Lebensmittel- und Agrarbehörden in der EU seit Anfang vergangener Woche auf die mögliche Vernichtung von Millionen Schafen vor. Damit einhergehen könnte ein Verkaufsverbot von Lammfleisch, auch Ziegen- und Schafsmilchprodukte könnten vom Markt genommen werden. Hintergrund: Die britische Expertenkommission SEAC legt am kommenden Montag einen abschließenden Forschungsbericht vor, wonach bei einzelnen von 2863 Versuchsschafen die als "Rinderwahnsinn" bekannte BSE-Krankheit festgestellt worden sein soll. Es bestehen "allerdings noch Forschungsunsicherheiten", schreibt die EU-Taskforce "BSE bei Schafen" in einem internen Vermerk. Bei den Wolltieren war bisher lediglich die uralte "Traberkrankheit" ("Scrapie") bekannt. Die neuen Forschungsergebnisse deuten jedoch darauf hin, dass sich dahinter auch die für den Menschen weitaus gefährlichere BSE verbergen kann.
Ein 50-seitiger Krisenplan, den die britische Regierung bereits am 28.September vorgelegt hat, sieht für diesen Fall einen "sofortigen Konsumstopp für Tiere von der Insel" vor. Die Briten rechnen im schlimmsten Fall mit einem Prozent infizierter Tiere - also 420.000 Schafe bei einer Population von 42 Millionen Tieren in Großbritannien. Da die Infektion bei Schafen auch Lymphknoten und peripheres Nervengewebe befällt, reicht es zur Vorbeugung vermutlich nicht aus, wie bei Schlachtrindern so genannte "Risikomaterialien" wie Hirn oder Rückenmark zu entfernen - der gesamte Schlachtkörper müsste vernichtet werden. Ein anderes Szenario geht davon aus, dass nur ein Teil der Schafsherden befallen werden kann, da bestimmte Rassen wahrscheinlich gegen BSE resistent sind. Auch könnten möglicherweise gesunde Tiere durch Tests herausgefiltert werden. Übernächste Woche will EU-Verbraucherkommissar David Byrne mit den obersten EU-Veterinären und den Landwirtschaftsministern beraten, ob Lammfleisch europaweit verboten werden muss. Möglicherweise ist es aber schon zu spät: Da die untersuchten Schafshirne aus den Jahren 1990 bis 1992 stammen, könnte der Höhepunkt der Seuche bereits überschritten sein. (DER SPIEGEL 42/01, Panorama Deutschland)
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