Die zentrale Tierdatenbank HIT, die im September 1999 auf EU-Geheiß eingeführt worden war, weist gravierende Löcher auf, so das Nachrichten-Magazin DER SPIEGEL in der neuen Ausgabe. Zur Vorbeugung gegen BSE müssen die Daten aller Rinder in Deutschland an die HIT in München gemeldet werden, um den Lebensweg jedes Tieres von der Geburt bis zur Schlachtung verfolgen zu können. Mit dieser Maßnahme sollte die "Qualität des Rindfleisches“ und die Sicherheit des Verbrauchers vor BSE-verseuchtem Fleisch gestärkt werden. Bisher jedoch funktionieren weder Erfassung und Auswertung noch die Kontrolle der Betriebe. So tauchten in Thüringen allein bei einem einzigen Viehhändler innerhalb von zweieinhalb Jahren über 8000 Tiere auf, die nicht ordnungsgemäß mit Ohrmarken versehen worden waren.
Besonders in Bayern gibt es erhebliche Probleme in der Zusammenarbeit zwischen staatlichen Veterinärämtern und privaten Einrichtungen, denen Verbraucherminister Eberhard Sinner (CSU) die Rinderkontrolle übertragen hatte. So waren Tiere auf anderen Höfen gemeldet als angegeben; manche Rinder waren laut Computerauskunft bereits geschlachtet worden, obwohl sie noch lebten. Bei einem Kontrollbesuch stellten EU-Prüfer zudem fest, dass mehr als 50 Tiere des Stalls überhaupt keine Marken hatten.
In dieser Woche reisen erneut EU-Gesandte nach Bayern, um die Beseitigung mehrmals monierter Missstände zu überprüfen. Negativ aufgefallen war vor allem, dass die vorgeschriebene Anzahl von Kontrollen weit unterschritten wird. Sollten die Mängel nicht umgehend abgestellt werden, muss Deutschland Subventionskürzungen der EU in Millionenhöhe fürchten. Verbraucherministerin Renate Künast (Bündnis 90/Grüne) hat deshalb ihre Kollegen in den Ländern schriftlich eindringlich ermahnt, sich stärker um die Kontrolle der Rinderregistrierung zu kümmern.
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© DER SPIEGEL 9/2002
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