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Ausgabe 26/2002
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22.06.2002
 

Bundestags-Entscheidung zum Berliner Stadtschloss steht bevor / Gemeinsamer Entschließungsantrag von SPD, CDU/CDU, FDP und Grünen

Die seit elf Jahren andauernde Debatte Über einen Wiederaufbau des 1950 von der SED gesprengten Stadtschlosses in der Berliner Mitte nähert sich ihrem Ende. Die Bundestagsfraktionen von SPD, CDU/CSU, FDP und Grünen haben einen gemeinsamen Entschließungsantrag ausgearbeitet, den die zuständigen Ausschüsse vergangenen Freitag noch einmal diskutierten. Das Papier, das am 3. Juli im Plenum Gegenstand einer offenen Abstimmung ohne Fraktionszwang werden soll, sieht im Wesentlichen die historische Rekonstruktion des barocken Prachtbaus vor. Der Rückgriff auf den "historischen Stadtgrundriss" und die "Stereometrie des ehemaligen Berliner Schlosses" ist unter den Parteien nicht mehr umstritten. Dies schließt eine komplett moderne Architektur aus, wie sie etwa der Architekt des neuen Kanzleramtes, Axel Schultes, vorschlug. Die Fassadenfrage stellt der Antrag in zwei Varianten zur Debatte: "Alternative A" empfiehlt die getreue "Wiedererrichtung der barocken Fassaden der Nord-, West- und Südseite" sowie des Schlüterhofs. Nur so, heißt es in der Vorlage, gelinge der "Brückenschlag" zu den historischen Bauten der nahen Museumsinsel und der Straße Unter den Linden. Auch lasse die Rekonstruktion des historischen Urbilds eher eine "Mobilisierung privaten Kapitals" erwarten, wie es etwa für den Wiederaufbau der Dresdner Frauenkirche gelang. "Alternative B" erwägt einen Architektenwettbewerb, der entsprechend den Empfehlungen der Expertenkommission "Historische Mitte Berlin" die Maße des Barockbaus voraussetzt, aber in diesem Rahmen auch eine moderne Fassadengestaltung für möglich hält. Der Hamburger Kaufmann Wilhelm von Boddien, der 1993 eine spektakuläre Attrappe der historischen Fassade aus Polyesterplanen vor dem Palast der Republik installieren ließ und seitdem auch Über einen Förderverein für die Rekonstruktion kämpft, rechnet mit einer Mehrheit für die "Alternative A". Abgelehnt wird die historische Lösung unter anderem vom Berliner Kultursenator Thomas Flierl (PDS) - er hält sie nicht für "zukunftsgerichtet".

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