Pharmakonzerne neigen dazu, den Nutzen ihrer Medikamente schönzureden. Zu diesem Ergebnis kommt eine Untersuchung von Wissenschaftlern des Instituts für evidenzbasierte Medizin in Köln. Die Experten haben Broschüren und Werbeprospekte analysiert, die Pharmavertreter an Ärzte in Nordrhein-Westfalen verteilten. In 94 Prozent der Fälle fanden sie unbelegte, irreführende oder sogar falsche Produktaussagen. So bewarb die Firma UCB Pharma ihr Herz-Kreislauf-Medikament „Corifeo“ mit dem Hinweis auf eine Studie, die dem Mittel eine Verträglichkeit wie ein Lutschbonbon bescheinigt habe. Tatsächlich aber, so fanden die Forscher heraus, warnt die zitierte Untersuchung vor schweren Nebenwirkungen bei „Corifeo“. Und Bayer verwies bei der Werbung für sein „Levitra“ auf Tests, bei denen das Potenzmittel nicht nur „schnell“, sondern besonders nachhaltig („Bis zu fünf Stunden“) gewirkt habe. Unterschlagen wurde, dass der Rekordwert für den Muntermacher nicht etwa an Männern, sondern an betäubten Hasen ausprobiert wurde.
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© DER SPIEGEL 9/2004
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