Die EU-Betrugsbekämpfungsbehörde Olaf hat im Zusammenhang mit der Durchsuchung der Brüsseler Büroräume des "Stern" und der zwischenzeitlichen Festnahme des "Stern"-Korrespondenten Hans-Martin Tillack womöglich ihre Kompetenzen überschritten. Diese Auffassung vertritt Harald Noack, Mitglied des fünfköpfigen Olaf-Überwachungsausschusses und Staatssekretär im nordrhein-westfälischen Finanzministerium. Kernaufgabe der Behörde sei der Schutz der Finanzinteressen der EU. "Der Fall 'Stern' gehört nicht in diesen Bereich", sagte Noack in einem Interview mit dem SPIEGEL. Noack kritisiert, dass Olaf-Generaldirektor Franz-Hermann Brüner den Ausschuss "im Interesse der Rechtmäßigkeitskontrolle" nicht vor der Aktion gegen den "Stern" konsultiert habe. Die Angelegenheit sei "sehr ernst". Wenn der Ausschuss auf Grund seiner Prüfungen zu dem Schluss gelange, das Vorgehen von Olaf sei nicht zu akzeptieren, dann sei auch eine Entlassung des Olaf-Chefs "nicht auszuschließen".
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© DER SPIEGEL 14/2004
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