Ein gefürchteter, aber in Vergessenheit geratener Schadpilz macht sich wieder vermehrt auf deutschen Äckern breit. Vor allem bei Roggen-Ähren deponiert der Parasit namens Caviceps purpurea seine Giftstoffe in so genannten Mutterkörnern. Bis ins 20. Jahrhundert hinein hatte es immer wieder schwere Massenvergiftungen durch den Verzehr von mit Mutterkörnern verseuchtem Getreide gegeben. Nach aktuellen Analysen des Staatlichen Untersuchungsamtes Hessen an 190 Roggenmehlen aus deutschen Mühlen, Bäckereien und dem Handel enthalten diese durchschnittlich mehr als ein Milligramm der gefährlichen Pilzgifte pro Kilogramm Mehl. Im Mittel liegen sie damit über dem in der EU als gerade noch tolerierbar angesehenen Höchstwert; in einer Probe fanden sich gar sechs Milligramm. Das Bundesinstitut für Risikobewertung rät "dringend" davon ab, derart belastete Mehle in den Verkehr zu bringen, da "eine Gesundheitsschädigung von besonders schützenswerten Risikogruppen wie Schwangeren und gestillten Säuglingen andernfalls nicht ausgeschlossen werden kann". Die Pilzgifte können Muskelkrämpfe und ungewollte Wehen auslösen, in höheren Konzentrationen auch Atemlähmungen und Kreislaufversagen mit tödlicher Folge.
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© DER SPIEGEL 43/2004
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