In der Pharmaindustrie droht ein Versicherungsnotstand. Der zweitgrößte Rückversicherer der Welt, die Swiss Re, hat sich als Erster seiner Branche aus dem Pharmageschäft zurückgezogen. Der Marktführer, die Münchener Rück, erhöht drastisch die Prämien und versichert die Pharma-Klientel nur noch "sehr selektiv", so ein Sprecher. Weltweit haben die Versicherer die Höchstschadensgrenze je Unternehmen, so ermittelten Londoner Analysten, innerhalb von zwei Wochen von 750 auf 600 Millionen Dollar gesenkt. Auslöser dieser Entwicklung ist die steigende Zahl von Medikamenten mit gefährlichen Nebenwirkungen, die vor allem auf dem weltweit wichtigsten Pharmamarkt, den USA, zu extrem hohen Schadensersatzansprüchen führen. So muss Merck, dessen vom Markt genommenes Schmerzmittel Vioxx mit 30000 Todesfällen in Verbindung gebracht wird, mit bis zu 30 Milliarden Dollar Schadensersatz rechnen. Versichert ist Merck mit 630 Millionen Dollar. In neuen Verträgen wollen die Versicherer deshalb das Risiko von Schadensersatz auf die Unternehmen abwälzen. Produktlinien wie etwa die Cox-2-Hemmer, zu denen Vioxx gehört, könnten dennoch bald nicht mehr versicherbar sein. Analysten schätzen, dass bereits 30 Massenmedikamente mit Milliardenumsätzen auf der schwarzen Liste der Versicherer stehen.
© DER SPIEGEL 8/2005
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