Der erwartete Verkauf von ProSiebenSat.1 durch Haim Saban und seine Finanzinvestoren könnte schneller vonstatten gehen als bislang vermutet. In einem Schreiben, das Anfang April bei den ursprünglichen Verkäufern der Senderkette eintraf, bietet Saban eine Einmalzahlung von 15 Millionen Euro an, um sich aus einem Passus seines einstigen Übernahmevertrages herauszukaufen. Darin ist bislang geregelt, dass Saban und seine Mitinvestoren ihre Anteile erst nach zwei Jahren weiterveräußern dürfen. Das wäre erst im August so weit. Würden sie ihre Anteile vorher abstoßen, müssten sie laut Vertrag rund 80 Prozent der Mehrerlöse an den ursprünglichen Verkäufer abführen, den Insolvenzverwalter der zusammengebrochenen KirchMedia. Das wäre ein schönes Geschäft für die Gläubiger, nicht aber für den Mann aus Amerika und seine Partner, die offenkundig nicht bis zum Ablauf der Frist warten wollen. Zusätzlich brisant wird die Klausel, weil sie rechtlich nicht eindeutig zu klären scheint, ob sogar schon frühzeitige Verkaufsverhandlungen die Ansprüche der Alteigentümer auslösen könnten. Saban hat es offenbar eilig - und will diese Unsicherheit aus dem Weg räumen. Die 15 Millionen sollen fließen, wenn der Vertragspassus so geändert wird, dass Saban ab sofort und ganz offiziell mit Interessenten wie Axel Springer Verhandlungen aufnehmen kann. Schon am Montag dieser Woche wollen sich die Mitglieder des Gläubigerausschusses, die inzwischen über das Angebot aus Amerika informiert wurden, in einer Telefonkonferenz abstimmen. Wichtige Ausschussmitglieder tendieren aber offenbar dazu, darauf einzugehen. Bereits Ende Januar war der Vorstandsvorsitzende der Axel Springer AG, Mathias Döpfner, nach Los Angeles gereist, um Sondierungsgespräche über einen Einstieg bei ProSiebenSat.1 aufzunehmen (SPIEGEL 5/2005). "Meine Anteile stehen nicht zum Verkauf", erwiderte Haim Saban am Freitagabend auf Anfrage, ansonsten: "Kein weiterer Kommentar."
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© DER SPIEGEL 16/2005
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