Der umstrittene Gasversorger E.on Hanse wird am Montag seine Gaspreiskalkulation vorlegen. Nach den Berechnungen, die dem SPIEGEL vorliegen, hat das Unternehmen im Jahr 2004 mit Privatkunden einen Vorsteuergewinn von 17,32 Millionen Euro erwirtschaftet. Im Jahr 2005 fiel lediglich ein Vorsteuergewinn von 8,44 Millionen Euro an. E.on begründet die relativ geringen Erlöse mit hohen Gasbezugskosten und aufwendigen Netzunterhaltskosten und kommt zu dem Schluss, dass die Gaspreiserhöhungen der Vergangenheit gerechtfertigt waren.
Dem SPIEGEL vorliegende Berechnungen der E.on-Hanse-Controlling-Abteilung nähren genau daran erhebliche Zweifel. Für den internen Gebrauch haben Controller darin aufgelistet, welche Kosten das Landgericht Hamburg, vor dem sich E.on Hanse zurzeit wegen zu hoher Gaspreise verantworten muss, möglicherweise in Frage stellen könnte. Danach sind den Privatkunden in der E.on-Kalkulation Kosten im hohen zweistelligen Millionenbereich zugeordnet worden, die sie möglicherweise gar nicht zu tragen hätten.
Konkret genannt werden beispielsweise zu hohe Preise bei der Berechnung der Gasspeicher oder die Aufschlüsselung der Vertriebskosten zwischen Industrie- und Privatkunden. Sollte die Berechnung der Controller sich als richtig herausstellen, würde das aktuelle errechnete Ergebnis von E.on Hanse im Privatkundenbereich um rund 50 Millionen Euro höher ausfallen, was auf den anstehenden Gerichtsprozess wohl negative Auswirkungen hätte.
E.on selbst bestreitet die internen Berechnungen von Ende Oktober nicht. Nach Darstellung des Unternehmens habe es sich dabei jedoch um eine Art "Diskussionspapier" gehandelt. Die Controlling-Abteilung sei aufgefordert worden, die damals vorliegende Kalkulation auf mögliche Einwände, auch unsinnige, zu untersuchen.
Die anschließende Prüfung habe dann ergeben, dass einige Punkte gerechtfertigt waren. Diese habe man in die aktuelle Berechnung übernommen. Andere Anmerkungen hätten sich als falsch herausgestellt und seien deshalb nicht berücksichtigt worden. Das nun vorgestellte Ergebnis, so E.on, sei insofern "völlig korrekt".
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© DER SPIEGEL 47/2005
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