Bei Axel Springer war man offenbar vorgewarnt: Am Freitag schickte der Berliner Medienkonzern, der Anfang August verkündet hatte, für bis zu 4,2 Milliarden Euro die ProSiebenSat.1 Media AG zu übernehmen, seine Anwälte eigens zum Sitz des Bundeskartellamts nach Bonn, um einen brisanten 45-seitigen Schriftsatz in Empfang zu nehmen und den langwierigeren Postweg zu vermeiden. Was die Juristen in der Zwischenmitteilung der Behörde, die den geplanten Deal seit dem Sommer prüft, dann als Erste zu lesen bekamen, hat es für Deutschlands größten Zeitungsverlag ("Bild", "Welt", "Hamburger Abendblatt") in sich: Danach sieht das Kartellamt nach bisherigem Stand "die Untersagungsvoraussetzungen erfüllt". Brisant ist vor allem die Begründung, denn sie geht an die Grundfesten des Geschäfts und lässt wenig Raum für Korrekturen. Durch die angemeldete Übernahme, argumentieren die Kartellwächter, würden Axel Springer und Bertelsmann (mit seiner RTL-Senderfamilie) "hinsichtlich ihrer Geschäftsfelder symmetrischer", dies führe "zu einer Reihe von Interessenkongruenzen" - und damit einer Verschlechterung der Wettbewerbsbedingungen. Auch werde die Stellung des Verlages auf dem Lesermarkt für Kaufzeitungen sowie auf dem Anzeigenmarkt für bundesweit erscheinende Tageszeitungen in bedenklicher Weise gestärkt. Bei Springer gab man sich am Freitag unbeeindruckt - schließlich habe es schon bei früheren Geschäften ablehnende Zwischenmitteilungen aber letztlich Genehmigungen gegeben. Bis zum 8. Dezember hat man nun Zeit, Stellung zu nehmen. Mit einer Entscheidung von Kartellamtschef Ulf Böge rechnen die Verfahrensbeteiligten bis Ende Dezember. Parallel prüft die Kommission zur Ermittlung der Konzentration (Kek) den Deal auf seine medienrechtlichen Implikationen - auch von dort, so ein Insider, müsse Springer mit erheblichen Einwänden rechnen.
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© DER SPIEGEL 47/2005
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