Bundesfinanzminister Peer Steinbrück (SPD) will den Flughafen in Schönefeld erheblich billiger machen. Er favorisiert Veränderungen bei dem Großprojekt, die dem Bund mehr als eine Milliarde Euro ersparen könnten. Grundlage der Überlegungen ist ein Entwurf des Londoner Architekturbüros HOK, das derzeit 20 Flughäfen in aller Welt baut. Das Konzept sieht einen schrittweisen und abgespeckten Ausbau des Airports vor, der in seiner jetzigen Form unter falschen Prämissen konzipiert wurde. So glaubten die Planer Anfang der neunziger Jahre, dass Berlin 2010 fünf Millionen Einwohner haben werde – und der Airport ein internationales Drehkreuz werden könne. Beides wird nicht eintreffen. Insgesamt kostet der neue Flughafen samt Verkehrsanbindung nach derzeitiger Planung rund 3,5 Milliarden Euro. Mit dem veränderten Konzept ließen sich bis zu zwei Milliarden Euro sparen, von denen etwa 60 Prozent auf den Bund entfielen, der Rest auf Brandenburg und Berlin. Bundesverkehrsminister Wolfgang Tiefensee (SPD) lehnt das HOK-Konzept ab. Er glaubt, dass damit ein neues Planfeststellungsverfahren nötig wäre, das den Bau um Jahre verzögern würde. Steinbrück aber beruft sich auf eine Stellungnahme des Verkehrsrechtlers Elmar Giemulla von der TU Berlin: Danach ist die Modifikation auf der Grundlage der bisherigen Zulassung – also ohne Verzögerung – möglich.
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© DER SPIEGEL 27/2006
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