Der Zentralrat der Juden in Deutschland fordert eine Neuausrichtung der umstrittenen "Stiftung Flucht, Vertreibung, Versöhnung" und droht ansonsten mit Boykott. Im SPIEGEL warnt Salomon Korn, Vertreter des Zentralrats im Stiftungsrat: Wenn das Thema Vertreibung "nicht im Zusammenhang mit dem Zweiten Weltkrieg und dem nationalsozialistischen Menschheitsverbrechen" dargestellt werde, werde er sein Amt zunächst ruhen lassen. Gegebenenfalls werde der Zentralrat das Gremium auch verlassen. "Wir werden keine Alibifunktion ausüben. Es gibt für uns klare Grenzen", sagt Korn.
Der SPD-Bundestagsvizepräsident Wolfgang Thierse verstärkt ebenfalls seine Kritik an der Stiftung. "Durch den Rückzug der Nachbarn ist die Stiftungsidee im Kern gefährdet", sagt er im SPIEGEL. Wissenschaftler aus Tschechien und Polen hatten ihren Rücktritt erklärt. "Das darf nicht zu einer rein deutschen Angelegenheit werden", so Thierse.
Kulturstaatsminister Bernd Neumann (CDU) räumt im SPIEGEL ein, dass es in der Vergangenheit "erhebliche Kontroversen" gegeben habe. Bald herrsche aber hoffentlich wieder "volle Konzentration auf die inhaltliche Arbeit". Die Forderung nach einer Aufarbeitung der BdV-Vergangenheit lehnt Neumann ab. Das sei "nun wirklich nicht die Aufgabe der Stiftung".
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© DER SPIEGEL 11/2010
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