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Ausgabe 35/2010
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28.08.2010
 

Legten HSH-Nordbank-Manager falsche Kinderporno-Spur?

Die Bezirksstaatsanwaltschaft von New York ermittelt gegen hochrangige Manager der HSH Nordbank, darunter der Vorstandsvorsitzende Dirk Jens Nonnenmacher. Sie stehen unter Verdacht, den ehemaligen Leiter der New Yorker HSH-Filiale, Roland K., fälschlich und gezielt als Konsument von Kinderpornografie diskreditiert zu haben, um ihn leichter loswerden zu können. Das geht aus einem Bericht der Anwaltskanzlei WilmerHale hervor, den die Bank selbst in Auftrag gegeben hat, nachdem sie über das staatsanwaltschaftliche Ermittlungsverfahren unterrichtet wurde. Dem Bericht zufolge führt die Staatsanwaltschaft in New York auch den derzeit von seinen Aufgaben befreiten Chefjustitiar Wolfgang Gößmann als Verdächtigen. Anlass der Ermittlungen war eine von einem 13-köpfigen Team durchgeführte Razzia im Büro von Roland K, die am 17. September 2009 in der New Yorker HSH-Dependance stattgefunden hatte. Zu den Mitgliedern des Teams zählten auch Gößmann, der Vorstand des Sicherheitsunternehmens Prevent AG, Thorsten Mehles, und eine Partnerin der Potsdamer Rechtsanwaltskanzlei Erbe. Im Rahmen eines Bildes von K.s Tochter fand sich bei der Durchsuchung ein Aufkleber mit einer E-Mail-Adresse, in der das Wort "kid" (Kind) vorkam. Daneben stand ein Begriff, der sich später als Passwort herausstellte. Darüber hinaus gab es auf K.s Rechner dubiose E-Mails eines "Jan Nowak", die zu Dateien mit kinderpornografischen Fotos führten. Doch die von der Bank angestoßenen Ermittlungen der New Yorker Polizei gegen K. nahmen eine überraschende Wende: Am 22. April 2010 teilte die New Yorker Staatsanwaltschaft Anwälten der Bank mit, dass aus ihrer Sicht Roland K. das Opfer einer Intrige geworden sei. Eine Bewertung, die die Anwälte von WilmerHale teilen. In ihrem Report heißt es: "Es gibt keinen belastbaren Beweis dafür, dass Herr K. die kinderpornografischen Bilder aus dem E-Mail-Account auf seinem Bürorechner genutzt hat. Dagegen gibt es belastbare Indizien, dass Herrn K. eine Falle gestellt wurde. Dass der E-Mail-Account von jemand anderem erzeugt wurde. Dass der Aufkleber auf der Rückseite des Fotos von Herrn K.s Tochter ebenso wie die E-Mails des Jan Nowak platziert wurden." Gößmann bestreitet "in irgendeiner Weise an einer Aktion beteiligt" gewesen zu sein, in deren Rahmen Herrn K. kinderpornografisches Material untergeschoben" worden sei. Eine solche Unterstellung sei "abwegig und unzutreffend". HSH-Sprecher Frank Laurich teilte mit, WilmerHale habe "festgestellt, dass Herr Nonnenmacher sich in diesem Zusammenhang jederzeit pflichtgemäß verhalten hat". Wer bei WilmerHale so eine Aussage sucht, scheitert jedoch.

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Illustration DER SPIEGEL / Fotos Marc Darchinger; AFP Foto
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