Der Streit zwischen den ehemaligen Schwesterunternehmen Post und Deutsche Telekom um die Verwendung des Begriffes "P-Aktie" ist deutlich heftiger als in dieser Woche bekannt wurde. Wie das Nachrichten-Magazin DER SPIEGEL in der neuen Ausgabe berichtet, hatte die Telekom der Post bereits am Montag durch ihre Anwälte ein Unterlassungsbegehren zukommen lassen. "Die Wahl der Bezeichnung P-Aktie", heißt es darin, stellt "sich als unlauterer Versuch dar, vom guten Ruf der T-Aktien-Familie zu profitieren und führt zudem den Verbraucher in die Irre." "Außerdem", so die Anwälte in dem Schreiben, habe sich die Telekom die Bezeichnung "P-Aktie auch markenrechtlich schützen lassen."
Wie der SPIEGEL weiter schreibt, hat selbst ein Bittgang von Post-Chef Klaus Zumwinkel zu Telekom-Chef Ron Sommer am Mittwoch nichts an der Haltung der Telekom geändert. Stattdessen hat der Telefonmulti den verdutzten Postlern sogar eine einstweilige Verfügung präsentiert, die allerdings nicht zugestellt wurde. Am Donnerstag nämlich hat die Post wegen der klaren Rechtsposition der Telekom eine Vereinbarung unterzeichnet, nach der sie in Zukunft auf den Gebrauch des Begriffes P-Aktie verzichten will.
Trotzdem, so das Nachrichten-Magazin, hat der Vorstoß der Telekom bei dem Logistikunternehmen tiefe Verbitterung hinterlassen. Das ergibt sich aus einer während des Streites verfassten Schutzschrift der Post. Darin ist von einer ebenso "saloppen wie schikanösen Abmahnung" die Rede. Besonders ärgerlich, so DER SPIEGEL weiter, ist die Post über die Unterstellung, dass sie gleichsam als Trittbrettfahrer vom guten Ruf der T-Aktie profitieren will. Mit dem, heißt es in der Schutzschrift, sei es "gar nicht so weit her." Im Gegenteil: die Anleger, die die dritte Tranche der Telekom gezeichnet hatten, sind nach dem brutalen Kursrutsch sehr enttäuscht. Dass sich die Post an so etwas "Schwachem" wie die T-Aktie anlehnen will, heißt es in dem Papier, sei eine "groteske Annahme".
Am Montag will die Post mit einer großen Anzeigenaktion auf die Telekom-Attacke reagieren. Die Mehrzahl der Deutschen, soll Thomas Gottschalks Bruder Christoph darin verkünden, sei im Gegensatz zur Telekom in der Lage, ein P von einem T zu unterscheiden.
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© DER SPIEGEL 35/2000
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