Die deutsche Wirtschaft müsse wieder "die große Lokomotive in Europa" werden, fordert Spaniens Ministerpräsident José Luis Rodríguez Zapatero, damit die Europäische Union global "die Führerrolle übernehmen" könne. "Europa muss daran glauben, dass es in 20 Jahren die bedeutendste Weltmacht sein kann, denn dazu hat es die meisten Chancen", sagte Zapatero in einem SPIEGEL-Interview unmittelbar vor den deutsch-spanischen Regierungskonsultationen am kommenden Montag in Madrid. Führend sein bedeute, "gleichzeitig Wachstum und sozialen Zusammenhalt aufrechtzuerhalten". Dass es nach der Konfrontation zwischen Europaparlament und EU-Kommissionspräsident zu einer schweren Krise der Europäischen Union kommen könne, erwartet Spaniens sozialistischer Regierungschef nicht. Im Falle einer EU-Spaltung jedoch stünde sein Land einem Projekt Kerneuropa positiv gegenüber: "Ja, wir Spanier sind auf jeden Fall mit von der Partie. Wir wollen die europäische Zukunft an der Seite Frankreichs und Deutschlands gestalten." Mit beiden Ländern verstehe sich Spanien heute "so gut wie nie zuvor". Madrids Ministerpräsident, der als einer seiner ersten Amtshandlungen den Abzug der 1300 spanischen Soldaten aus dem Irak angeordnet hatte, erwartet nach der Wiederwahl von US-Präsident Bush eine "neue Phase" der transatlantischen Zusammenarbeit. Grundlage sei ein Dialog "von Ehrlichkeit und Respekt vor den Prinzipien und Idealen des Partners". Eine Rückkehr spanischer Soldaten, selbst unter Uno-Mandat, schloss Zapatero aus. Ein militärisches Engagement Spaniens dort "kommt unter keinerlei Umständen mehr in Frage".
© DER SPIEGEL 46/2004
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