11. Dezember 1999, 10:47 Uhr

Spektakulärer Fund in der Gauck-Behörde

Die Berliner Gauck-Behörde hat nach einem Bericht des Nachrichten-Magazins DER SPIEGEL in ihren Archiven einen spektakulären Fund gemacht: Einem Elektronik-Spezialisten ist es gelungen, eine weitere Datenbank der DDR-Spionageabteilung Hauptverwaltung Aufklärung (HVA) auf den so genannten Sira-Bändern zu decodieren, die im Januar 1999 in der Behörde bereits zum Teil geknackt worden waren. Das jetzt lesbar gemachte Band enthält die vollständige sogenannte Vorgangskartei F-22 der HVA. Deren 63.035 Datensätze geben die Decknamen aller jemals von der HVA eingesetzten Agenten preis (rund 47.000 seit 1950) und verraten, wie lange diese für die DDR spionierten. Nach einer ersten Überprüfung der Stasi-Akten-Verwalter waren Ende 1989 noch rund 15.000 der Agenten aktiv; Sicherheitsexperten schätzen, dass bis heute nur rund ein Drittel enttarnt sind.

In dem Speicher befindet sich, so DER SPIEGEL, auch eine vollständige Liste der sogenannten "Objektvorgänge" - sie enthält Ministerien, Firmen, Parteien und Vereine, die systematisch ausgespäht wurden. Die Gauck-Behörde hat das Innenministerium und das Kanzleramt über den Fund informiert.

Die F-22-Datei gehört zu den Unterlagen, die der amerikanische Geheimdienst CIA vom kommenden Frühjahr an die Bundesregierung zurückgeben will - in Kopie und nur teilweise. Das in Berlin decodierte Band ist zudem umfangreicher: Während der amerikanische Bestand bereits 1988 endet, reicht diese Datei bis Dezember 1989.


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© DER SPIEGEL 50/1999
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