AUS DEM SPIEGEL
Ausgabe 35/2001

"Richter Gnadenlos" will Drogenabhängigen helfen


Der rechtspopulistische "Richter Gnadenlos" Ronald Schill, der mit einer neu gegründeten "Partei Rechtsstaatlicher Offensive" bei der Wahl zur Hamburger Bürgerschaft antritt, äußert sich in einem Interview mit dem Nachrichten-Magazin DER SPIEGEL über den im kommenden Jahr in mehreren deutschen Städten anlaufenden Modellversuch, Heroin unter staatlicher Aufsicht und ärztlicher Betreuung an Schwerstabhängige zu verabreichen. Im Wortlaut:

SPIEGEL: Was halten Sie davon, Heroin auf Rezept abzugeben?

Schill: Das Projekt findet meine Unterstützung.

SPIEGEL: Das überrascht uns. Bisher waren Sie doch gegen den "Staat als Dealer".

Schill: Wir wollen mit aller Härte gegen die Dealer vorgehen, aber den Süchtigen Hilfe zuteil werden lassen. Es gibt in Hamburg mehr als 10000 Drogenabhängige, das ist ein riesiges Potenzial an Beschaffungskriminalität und Verelendung.

SPIEGEL: Dem versuchte man mittels Substitution durch Methadon entgegenzuwirken.

Schill: Methadon dämmt zwar die Sucht etwas ein, aber weil der erhoffte Kick ausbleibt, fangen Heroinabhängige oft an, zusätzlich Kokain zu konsumieren.

SPIEGEL: Ihre Rolle als Helfer der Junkies ist aber neu.

Schill: Es geht mir um den Schutz der Bevölkerung vor Beschaffungskriminalität. Deshalb darf man keine Scheuklappen haben, neue Maßnahmen experimentell zu erproben. Die wenigsten Süchtigen können sich das Geld für den Stoff legal verdienen. Der lasche Umgang mit den Dealern trug dazu bei, dass das Risiko, in Hamburg Opfer eines Straßenraubs zu werden, elfmal so groß ist wie in München.

(DER SPIEGEL 35/01, Panorama Deutschland)



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