AUS DEM SPIEGEL
Ausgabe 38/2002

Verwandter des Terrorpiloten Ziad Jarrah hatte BND-Kontakte


Assem Omar Jarrah, ein Verwandter des Terrorpiloten Ziad Jarrah, der am 11. September 2001 mit einem United-Airlines-Jet in der Nähe von Pittsburgh abstürzte, hat von Anfang bis Mitte der neunziger Jahre Kontakte zum Bundesnachrichtendienst (BND) unterhalten. Nach der Wende war der in Greifswald lebende Libanese von Mitarbeitern des Dienstes wegen seiner operativ interessanten Vita angesprochen worden. Das Ministerium für Staatssicherheit der DDR (MfS) hatte Jarrah ab 1985 als Inoffiziellen Mitarbeiter (IM) "Karsten Berg" (Reg. Nr. XV/1309/85) geführt. Von 1986 an hatte der damalige Pharmaziestudent, laut Stasi-Akten, auch Verbindung zum libyschen Geheimdienst. In dessen Auftrag sollte er, wie es in einem Bericht der "Arbeitsgruppe Ausländer" des MfS heißt, "mögliche CIA-Agenturen" und "Gegner" des Staatschefs Muammar al-Gaddafi ausspionieren. Assem Omar Jarrah bestätigte auf Anfrage "Gespräche mit der Sicherheit in der DDR" und "der westdeutschen Sicherheit, kurz nach der Wende". Darüber hinaus räumte er ein, von libyschen Regierungsstellen Geld erhalten zu haben - allerdings nur für eine deutsch-arabische Freundschaftsgesellschaft. Agent sei er nie gewesen. Ein BND-Sprecher erklärte auf Anfrage: "Zu operativen Kontakten nehmen wir grundsätzlich nicht Stellung."



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