AUS DEM SPIEGEL
Ausgabe 25/2003

47 Meisterwerke aus Bagdad bleiben verschollen


Die Raubgräberei im Irak nimmt katastrophale Formen an. Die bei der Plünderung des Nationalmuseums in Bagdad entstandenen Schäden sind jetzt genauer beziffert worden, wie derSPIEGEL in seiner neuesten Ausgabe berichtet. Bei Gesprächen in Wien am letzten Freitag haben hochrangige irakische Antikenverwalter eine erste Bilanz gezogen. Demnach sind aus den Magazinen im Museumskeller "über 10000 Objekte" gestohlen worden, wie die Direktorin Nawala al-Mutawalli berichtet. Verschwunden seien zudem "47 großteilige Meisterwerke" - darunter der 5100 Jahre alte Warka-Kopf sowie die älteste große Kupferstatue der Welt, hergestellt 2250 v. Chr. in Akkad. Die Objekte der Schausammlung - Vasen aus Bergkristall, Rollsiegel, Schnitzereien aus Elfenbein - scheinen dagegen gerettet. Das Material war vor Kriegsausbruch, in 127 Kisten verpackt, in einem geheimen Außendepot versteckt worden. Draußen im Land hingegen wühlen die Raubgräber. An mindestens zehn Ruinenstätten sind die Absperrzäune niedergerissen. "In Isin rücken täglich bis zu 300 Leute an und plündern unter Einsatz von Schaufelbaggern", erklärte Michael Müller-Karpe vom Römisch-Germanischen Zentralmuseum in Mainz gegenüber dem SPIEGEL. "Die Lage ist katastrophal und sprengt alle Vorstellungskraft."



© DER SPIEGEL 25/2003
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