AUS DEM SPIEGEL
Ausgabe 33/2003

Riskanter Segen für gleichgeschlechtliche Paare


Trotz der massiven Angriffe des Papstes gegen homosexuelle Partnerschaften wollen überall in der Bundesrepublik katholische Pfarrer daran festhalten, gleichgeschlechtliche Paare in ihren Kirchen zu segnen. In Mönchengladbach praktiziert der katholische Pfarrer Christoph Simonsen derartige Gottesdienste ganz offen. Seit Jahresbeginn hat er bereits fünf schwul-lesbische Paare in seiner Kirche "Maria Hilf" vor bis zu 300 Kirchgängern gesegnet. Während des klassischen Wortgottesdienstes mit Gebeten und Bibellesung sitzt das Paar in der ersten Kirchenbank und kommt dann zum Segen nach vorn. Simonsen ist vom Aachener Bischof Heinrich Mussinghoff als "Beauftragter für die seelsorgliche Begleitung homosexueller Menschen" eingesetzt. Auch in den Bistümern Hildesheim, Essen, Köln, München und Limburg gibt es derartige Beauftragte. Simonsen hat das höchste Beratergremium des Bischofs, den Aachener Priesterrat, über seine Arbeit informiert. Die "Stärkung eingegangener gleichgeschlechtlicher Partnerschaften" durch seinen Segen, so erklärte es Simonsen den dort versammelten Mitbrüdern, habe "eine befreiende Kraft". Der Pfarrer sieht keinen Verstoß in seinem Handeln: "Nach dem Kirchenrecht ist die Segnung von Menschen gestattet, wenn sie glaubwürdig darum bitten." Allerdings, so der Pfarrer, "gestalte ich keine sakramentale Feier". In anderen Bistümern sehen katholische Pfarrer ihr Amt dagegen in höchster Weise gefährdet. Dort kommen Schwulenpaare nur heimlich mit Freunden, Geschwistern oder Eltern zur katholischen Segnung. Dabei tauschen die Paare gelegentlich auch ganz traditionell Ringe aus. "Es war wie eine Brautmesse, mit etwa 30 Leuten, mit Ringsegnung und klassischen Trauformeln", berichtet ein Sprecher der Gemeinschaft Homosexuelle und Kirche, der kürzlich in Köln bei einer solchen Gelegenheit mit dabei war. Auf der Orgel spielte man "Großer Gott, wir loben dich".



© DER SPIEGEL 33/2003
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