AUS DEM SPIEGEL
Ausgabe 44/2003

Korruptionsverdacht bei Fraport / Manager sollen für ein Millionenprojekt in Usbekistan Schmiergeld gezahlt haben


Hamburg - Manager der Frankfurter Flughafengesellschaft Fraport sollen einem usbekischen Spitzenfunktionär Schmiergeld gezahlt haben. Über eine zwischengeschaltete Firma hätten sie das Bestechungsgeld für ein Millionenprojekt - die Modernisierung des Flughafens von Taschkent - nach Usbekistan transferiert, berichtet das Hamburger Nachrichten-Magazin DER SPIEGEL. Empfänger der Summe in Höhe von 195 000 US-Dollar soll der damalige Chef der usbekischen Fluggesellschaft, Arslan Rusmetow, gewesen sein. Seit Ende vergangenen Jahres ermittelt die Frankfurter Staatsanwaltschaft in diesem Zusammenhang wegen des Verdachts der internationalen Bestechung gegen sechs Fraport-Mitarbeiter, darunter einen leitenden Manager. In Juni 2000 vergab die Fraport im Rahmen eines Export-Geschäfts mit Usbekistan zwei Aufträge über 478 000 Mark an eine inzwischen insolvente Spedition im Hunsrück. Sinn des Geschäfts soll nach Erkenntnissen der Frankfurter Staatsanwaltschaft ausschließlich die verdeckte Weiterleitung der Schmiergelder an Rusmetow gewesen sein. Denn wenige Tage nach der Auftragsvergabe stellte das Unternehmen bereits ein Rechnung, die auch kurz darauf von Fraport beglichen wurde. Dann soll ein Mitarbeiter des Unternehmens im mehreren Tranchen das Geld bar in Empfang genommen und nach Taschkent gebracht haben. Rusmetow habe den Empfang quittiert. Ein Fraport-Sprecher räumte gegenüber dem SPIEGEL das Scheingeschäft ein. Es sei allerdings die Aktion "einzelner Beschäftigter" gewesen, von der die Unternehmensspitze "keinerlei Kenntnis" hatte. Als Fraport von den Ermittlungen der Staatsanwaltschaft erfuhr, habe das Unternehmen die beiden mit dem Geschäft befassten Mitarbeiter fristlos gekündigt. Dem SPIEGEL zufolge legen unternehmensinterne Dokumente den Verdacht nahe, dass die beiden geschassten Fraport-Mitarbeiter nicht auf eigene Rechnung handelten. Im Zusammenhang mit dem Taschkent-Projekt ist schon 1998 über Schmiergeldeinsatz gesprochen worden, auch von einem leitenden Manager. Der ließ für den Vorstand eine Grafik erstellen, derzufolge Zahlungen für so genannte "nützliche Aufwendungen" - die Steuerchiffre für Schmiergelder - über ein zwischengeschaltetes Subunternehmen erfolgen sollten.



© DER SPIEGEL 44/2003
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