AUS DEM SPIEGEL
Ausgabe 15/2004

Rot-grüner Rechenfehler 572.836 Euro Strafe für fehlenden Lehrling

Die geplante Ausbildungsplatzabgabe wird mit einer extrem komplizierten Formel berechnet. Die Regierung wollte sie ein wenig einfacher machen - mit fatalen Folgen. Dank eines Rundungsfehlers können die Kosten für Unternehmen explodieren.


Industriemechaniker-Azubi: Absurde Höhen bei größeren Betrieben
DDP

Industriemechaniker-Azubi: Absurde Höhen bei größeren Betrieben

Nach Berechnungen des Deutschen Industrie- und Handelskammertages (DIHK) wachsen die Kosten für Betriebe, die die nötige Lehrlings-Quote von sieben Prozent nicht erreichen, mit steigender Beschäftigtenzahl gewaltig. Nach den Zahlen eines "Ausbildungsplatzabgaberechners", den der DIHK im Internet zur Verfügung stellt, muss ein Unternehmen mit 100 Beschäftigten, das statt der geforderten 7 Lehrlinge nur 6 ausbildet, 4551 Euro Abgabe zahlen.

Ein Betrieb mit 1000 Mitarbeitern und 69 Azubis muss für die eine nicht besetzte Lehrstelle 9671 Euro bezahlen, und bei 10000 Beschäftigten kostet die fehlende Lehrstelle schon 60867 Euro. Völlig absurd wird es in einem Konzern mit 100 000 Mitarbeitern, aber nur 6999 Azubis. Die Ausbildungsplatzabgabe würde dann bis auf 572836 Euro steigen.

Ursache für die Diskrepanz ist das Bestreben des federführenden Bildungsministeriums, die komplizierte Rechnung einfacher zu machen. Eine Verhältniszahl, mit der errechnet wird, um wie viel ein Lehrling die Strafzahlung mindert, ist abgerundet worden. Tatsächlich müsste sie aber bis auf mehrere Stellen hinter dem Komma angegeben werden, um das Auseinanderklaffen der Abgabe zu verhindern.



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