AUS DEM SPIEGEL
Ausgabe 49/2004

Armutsbericht der Bundesregierung verzeichnet wachsende Unterschiede: Reiche werden reicher, Arme ärmer


Unter der rot-grünen Regierung haben sich die sozialen Unterschiede in Deutschland weiter verschärft. Dies geht aus dem Entwurf des Armuts- und Reichtumsberichts der Bundesregierung hervor, den Sozialministerin Ulla Schmidt im nächsten Jahr vorstellen will. Der Anteil derjenigen, die mit einem Einkommen unterhalb der von der EU definierten Armutsgrenze auskommen müssen, hat sich demnach seit 1998 von damals 12,1 Prozent auf nun 13,5 Prozent erhöht. Von den Familien sind sogar 13,9 Prozent von Armut betroffen. Gleichzeitig wuchs dem Berichtsentwurf zufolge der Besitzanteil der Reichsten am gesamten privaten Nettovermögen von fünf Billionen Euro. Den betuchtesten zehn Prozent der Haushalte gehören davon 47 Prozent - zwei Prozentpunkte mehr als im Jahr 1998. Der Anteil der unteren 50 Prozent aller Haushalte am Gesamtvermögen hat sich hingegen von 4,4 Prozent auf nun 4 Prozent verringert. "Soziale Ungleichheit ist eine Tatsache", heißt es in dem Bericht, "und in manchen Bereichen ist sie in den letzten Jahren gewachsen." So habe sich die Zahl der überschuldeten Haushalte seit 1999 von 2,77 Millionen auf 3,13 Millionen erhöht. 1,1 Millionen Kinder seien auf Sozialhilfe angewiesen - die "mit Abstand größte Gruppe". Bildungschancen würden "vererbt". So seien die Chancen eines Kindes aus einem Elternhaus mit hohem sozialem Status, eine Gymnasialempfehlung zu bekommen, fast dreimal so hoch wie die eines Facharbeiterkindes. Seine "Chance, ein Studium aufzunehmen", heißt es weiter, "ist sogar 7,4fach größer als die eines Kindes aus einem Elternhaus mit niedrigem sozialem Status."



© DER SPIEGEL 49/2004
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