AUS DEM SPIEGEL
Ausgabe 4/2005

Eurofighter nur bedingt einsatzfähig


Der Eurofighter bereitet dem Bundesverteidigungsministerium neue Sorgen. Die Partnerländer Deutschland, Großbritannien, Italien und Spanien werden bald vor eine heikle Wahl gestellt, wie sich aus einem Bericht an den Bundestag ergibt: Entweder sie geben noch etliche Millionen Euro zusätzlich für die Entwicklung des Kampfjets aus, oder die Luftwaffen erhalten nur ein bedingt einsatzfähiges Fluggerät. Die mit den Herstellern vereinbarte Obergrenze der Entwicklungskosten � allein 4,39 Milliarden Euro für den deutschen Anteil von 33 Prozent � reicht demnach nicht aus, um alle bisher verabredeten Leistungsanforderungen zu erfüllen. Vorerst haben die vier Nationen jetzt notgedrungen auf einige der geplanten Funktionen des Fliegers verzichtet, nachdem die Anforderungen aus Kostengründen schon mehrmals gesenkt worden waren. Unter anderem wird der Schutz der Piloten geschmälert, weil wichtige Alarmgeräte, die vor gegnerischen Abwehrraketen und Laser-Strahlen warnen, erst einmal wegfallen. Auch das Bord-Radar und der Autopilot, der die Crews beim Umgang mit dem komplizierten Flieger entlasten soll, werden nur eingeschränkt arbeiten. Trotz 16-jähriger Entwicklungszeit dürfen die bisher ausgelieferten Jäger derzeit ihre wichtigsten Waffen nicht einsetzen: Das Schießen mit der Bordkanone ist verboten, ebenso der Einsatz von Luft-Luft-Raketen mit kurzer Reichweite. Nicht einmal die Zusatztanks und Hitzefackeln zum Täuschen feindlicher Raketen sind gegenwärtig zur Nutzung freigegeben. Die Luftwaffe hat im April vorigen Jahres acht Eurofighter erhalten, die aber wegen diverser Probleme bisher nur knapp 300 Flugstunden absolviert haben. Für die am Jahresanfang begonnene Ausbildung von Einsatzpiloten sind zurzeit nur fünf dieser Maschinen verfügbar. Die übrigen stehen in der Werft.



© DER SPIEGEL 4/2005
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