Der SPIEGEL

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29. Januar 2005, 10:39 Uhr

Todesfälle, Lähmungen und Hirnhautentzündungen durch Spritzen und Katheter bei Bandscheibenpatienten

Führende Neurochirurgen an deutschen Universitätskliniken äußern sich besorgt über die zunehmende Zahl gefährlicher Spinalinfektionen bei Patienten mit Rückenschmerzen und Bandscheibenbeschwerden. Zu den Infektionen kommt es, weil niedergelassene Mediziner solchen Patienten immer wieder Linderung durch CT-gesteuerte Spritzen oder minimalinvasive Katheter versprechen, die direkt bis an die eingeklemmte Nervenwurzel geführt werden. Wie der SPIEGEL in seiner neuen Ausgabe berichtet, sind an den Folgen solcher Infektionen im Spinalkanal, in dem das Rückenmark verläuft, bereits mehrere Patienten in Deutschland gestorben. In weit über 60 Fällen, so ergab eine interne Umfrage unter den neurochirurgischen Abteilungen des Landes, führten die Eingriffe der niedergelassenen Mediziner zu bleibenden Querschnittslähmungen, lebensbedrohlichen Hirnhautentzündungen oder Blutungen im Spinalkanal. In einem Fall fanden die Notoperateure die abgerissene Spitze eines Katheters im Rückenmarkskanal. Die minimalinvasiven Therapien werden meist ambulant durchgeführt und müssen in der Regel privat bezahlt werden. Ihren klinischen Nutzen und ihre Sicherheit zweifeln die Unikliniker an: "Das ist reine Abzocke von geldhungrigen Medizinern", warnt Dietmar Stolke, Neurochirurg an der Uniklinik Essen und Vorsitzender der Deutschen Gesellschaft für Neurochirurgie.

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© DER SPIEGEL 5/2005
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