AUS DEM SPIEGEL
Ausgabe 23/2005

Rot-Grün kippt Forderung nach Abzug der US-Atomwaffen


Einen stillen Rückzug hat Rot-Grün bei der Forderung nach Abzug aller amerikanischen Atomwaffen aus Deutschland angetreten. Zwar hatte Verteidigungsminister Peter Struck (SPD) kürzlich angekündigt, das Thema solle in den zuständigen Nato-Gremien diskutiert werden; auch mit anderen europäischen Ländern, die US-Atombomben beherbergen, wolle man sprechen. Doch nun will Berlin das heikle Thema nicht auf die Tagesordnung der Nuklearen Planungsgruppe der Allianz setzen. Das Ministergremium, dem alle Nato-Staaten außer Frankreich angehören, wird am 9. Juni in Brüssel tagen. Auch Kontakte zu Stationierungsländern wie Italien oder Belgien unterblieben. Als Ausrede dienen die geplanten Neuwahlen. Tatsächlich wünscht Kanzler Gerhard Schröder keinen neuen Streit mit den USA. Er will, wie Außenminister Joschka Fischer und Struck, demnächst Washington besuchen. Zudem haben die Amerikaner schon fast alle der 150 in Deutschland vermuteten Atomwaffen abgezogen: Weil der Flugplatz Ramstein seit 2003 ausgebaut wird, schafften sie die rund 130 dort gelagerten A-Bomben in aller Stille weg – vermutlich in die USA. Etwa 20 Bomben blieben aber auf dem Luftwaffen-Fliegerhorst Büchel in Rheinland-Pfalz. Im Zuge der sogenannten Nuklearen Teilhabe üben deutsche "Tornado"-Crews dort noch immer den Atomkrieg.



© DER SPIEGEL 23/2005
Alle Rechte vorbehalten
Vervielfältigung nur mit Genehmigung der SPIEGELnet GmbH


Die Homepage wurde aktualisiert. Jetzt aufrufen.
Hinweis nicht mehr anzeigen.