AUS DEM SPIEGEL
Ausgabe 25/2005

Mediziner fordern Ehrenkodex für Forschungsgelder


Um den Einfluss der Industrie auf Wissenschaftler und den Missbrauch von Forschungsergebnissen künftig zu verhindern, wollen Mediziner einen speziellen "Ehrenkodex" entwerfen. Hintergrund sind Enthüllungen über die Finanzierung von Studien deutscher Gesundheitswissenschaftler durch die Tabakindustrie (SPIEGEL 23/2005), um die Gefahren des Rauchens herunterzuspielen. Johannes Siegrist, Doyen der Medizinischen Soziologie in Deutschland, fühlt sich nach Einsicht in die Akten der Zigarettenfirmen "getäuscht". Er habe Gelder in dem Glauben angenommen, frei forschen zu können, habe aber nun erkennen müssen, dass die Tabakindustrie ihre Zusicherung "nicht ernst gemeint" habe. Im Rückblick seien sein "Vertrauen naiv" und die Kontakte zur Industrie "ein Fehler" gewesen. Siegrist trat von seinem Amt als einer der Public-Health-Sprecher zurück. Auch der Freiburger Professor Jürgen von Troschke bat die Deutsche Gesellschaft für Public Health, ihn von seinen Ämtern zu entbinden. "Ich muss für meine Person zugeben, dass es wirklich zu gutgläubig war", schreibt Troschke, "den potentiellen Missbrauch meiner Arbeit nicht zu bedenken." Wissenschaftler sollen nun einen Kodex erarbeiten, um künftig feste Regeln für die Annahme von Geldern aus der Industrie zu haben.



© DER SPIEGEL 25/2005
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