AUS DEM SPIEGEL
Ausgabe 34/2005

Interessenkonflikt bei der KEK: Saban-Berater Mitglied der Expertenrunde


Mit einem erheblichen Interessenkonflikt sieht sich die Kommission zur Ermittlung der Konzentration im Medienbereich (KEK) konfrontiert, die derzeit die Übernahme des TV-Konzerns ProSiebenSat.1 durch die Axel Springer AG prüft. Ausgerechnet der Chefberater der Investorengruppe um den US-Milliardär Haim Saban, die vor zwei Wochen die Fernsehgruppe an Springer verkaufte, ist gleichzeitig Mitglied der KEK: Der Anwalt Christoph Wagner hatte die Federführung für Saban und seine Mitinvestoren in den Verkaufsverhandlungen und gehört seit 2002 der KEK an. Gleichzeitig berät Wagners Kanzlei, Hogan&Hartson Raue in Berlin, auch Springer - in kartellrechtlichen Fragen. Bei der Entscheidung, ob Springer wie geplant die Pro- SiebenSat.1-Gruppe übernehmen kann, kommt der "staatsfernen, standortunabhängigen" (Eigendarstellung) KEK neben dem Bundeskartellamt die Schlüsselrolle zu. Das Expertengremium prüft, ob Springer durch die Fusion eine "vorherrschende Meinungsmacht" erlangt - und könnte die Übernahme erheblich erschweren. Vorige Woche hat Springer bereits den Genehmigungsantrag für den ProSiebenSat.1- Kauf eingereicht. Bei den Medienwächtern sieht man Wagners Beratertätigkeit nicht als Problem: "Wir haben den Interessenkonflikt früh erkannt", so KEK-Geschäftsführer Bernd Malzanini. "Christoph Wagner ist bereits seit dem 9. August von allen Sitzungen der KEK ausgeschlossen, die sich mit der Übernahme von Pro- SiebenSat.1 durch die Axel Springer AG befassen." Wagner bleibt allerdings weiterhin Ersatzmitglied der KEK.



© DER SPIEGEL 34/2005
Alle Rechte vorbehalten
Vervielfältigung nur mit Genehmigung der SPIEGELnet GmbH


TOP
Die Homepage wurde aktualisiert. Jetzt aufrufen.
Hinweis nicht mehr anzeigen.