AUS DEM SPIEGEL
Ausgabe 45/2005

Allensbach-Umfrage: Polen und Tschechen fürchten deutsche Gebietsansprüche


Fast 60 Jahre nach Flucht und Vertreibung der Deutschen aus den damaligen Siedlungsgebieten im Osten erweckt das Thema in den betroffenen Ländern immer noch große Aufmerksamkeit - und Furcht. Das zeigt das Ergebnis einer großangelegten Studie des Allensbacher Instituts unter Polen, Tschechen und Deutschen, die aus Anlass einer Anfang Dezember startenden Ausstellung im Bonner "Haus der Geschichte" erscheint. So halten es 61 Prozent der Polen und 38 Prozent der Tschechen für wahrscheinlich, dass die Bundesregierung ehemalige deutsche Gebiete zurückfordern oder dafür Entschädigung verlangen werde. Die Vertriebenenverbände haben einen außerordentlich schlechten Ruf: 41 Prozent der Polen und 39 Prozent der Tschechen sind der Meinung, dass es ihnen darum gehe, verlorene Grundstücke zurückzubekommen. Das geplante Zentrum gegen Vertreibungen hält die Mehrheit der osteuropäischen Befragten dagegen für eine gute Idee - wenn es Vertreibungen in verschiedenen Ländern dokumentiert. Als Standort favorisieren die Polen das polnische Breslau, die Tschechen ihre Hauptstadt Prag. In allen Ländern mangelt es an Kenntnissen über das Thema Vertreibung. So geben 44 Prozent der Deutschen an, dass das Thema sie zwar auch heute noch beschäftige; die tatsächliche Zahl der Vertriebenen - rund 14 Millionen - wird jedoch von 57 Prozent der Befragten unterschätzt. Die Polen verschätzen sich bei der Anzahl der deutschen Vertriebenen ähnlich. Die Zahl der eigenen Vertriebenen aus dem damaligen Ostpolen beziffern sie mit 3,9 Millionen statt 1,5 Millionen dagegen viel zu hoch.



© DER SPIEGEL 45/2005
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