AUS DEM SPIEGEL
Ausgabe 3/2006

Stasi-Akte belastet Ex-Olympiasiegerin und PDS-Angeordnete Ruth Fuchs


Eine über 30 Jahre alte Stasi-Akte könnte die politische Karriere der zweimaligen Speerwurf-Olympiasiegerin Ruth Fuchs beenden. Bei der Überprüfung der Ex-Sportlerin, die für die Linkspartei im Thüringer Landtag sitzt, fand sich nun die IM-Vorlaufakte X 367/71 der Stasi-Kreisdienststelle Jena. Der DDR-Geheimdienst hatte im Vorfeld der Olympischen Spiele von 1972 in München neue Quellen in der DDRMannschaft erschließen wollen und war an Fuchs herangetreten. Schon im ersten Gespräch zeigte sich die Speerwerferin äußerst kooperativ: Sie beschwerte sich über Jenaer Mannschaftskollegen, die bei einem Sportfest in Budapest mit Athleten von Bayer Leverkusen an einem Tisch gesessen und getrunken hätten. Für die anstehenden Olympischen Spiele rechnete Fuchs mit "versteckten Anschlägen" und Provokationen gegen DDR-Sportler. Nach den Spielen, 1973, wurde die Akte geschlossen: Fuchs hatte ihrem Trainer von ihren Stasi-Kontakten berichtet. Die Abgeordnete versichert bis heute, nie persönliche Informationen an den Dienst geliefert zu haben. Als "Diplomat im blauen Trainingsanzug" habe sie aber westdeutsche Sportler als "Hauptgegner" angesehen. Ein Ausschuss im Erfurter Landtag muss nun entscheiden, ob Fuchs trotz Akte ihr Mandat weiter ausüben darf.



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