Der SPIEGEL

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03. Februar 2007, 10:30 Uhr

Viele Importcontainer mit Giftgasen belastet

Ein hoher Anteil von Importcontainern wird zum Schutz vor Schädlingen mit giftigen Gasen behandelt. Die Gasrückstände in den Containern gefährden Hafenarbeiter und alle, die mit Containern zu tun haben. Auch Verbraucher können den Gasresten ausgesetzt sein, wenn sie zu Hause Waren aus begasten Containern auspacken.

Nach einer noch unveröffentlichten Studie am Institut für Messtechnik an der Technischen Universität Hamburg-Harburg unter Mitwirkung des Zolls waren im Hamburger Hafen fünf Prozent der untersuchten Metallcontainer so stark begast, dass die Luft im Innern Grenz- oder Richtwerte überschritt. In einem Container war die Konzentration eines Schädlingsbekämpfungsgases so hoch, dass das Gift Menschen hätte töten können.

Rechnet man die Ergebnisse der Harburger Forscher hoch, kommen im Hamburger Hafen jährlich mehr als 250.000 Container an, deren Gaskonzentrationen über den unbedenklichen Werten liegen. Über 60.000 enthalten sogar Chlorpikrin, auch Grünkreuz genannt, einen Stoff, der im Ersten Weltkrieg als Kampfgas Tausende Soldaten tötete.

Arbeitsmediziner berichten von schweren Unfällen, die durch giftige Containergase wie Brommethan verursacht wurden. Berufsgenossenschaften führen erhebliche Krankheitskosten auf Gasunfälle zurück. Viele der Begasungsmittel sind krebserregend und können zu Nervenschäden führen.

Der Direktor des Zentralinstituts für Arbeitsmedizin in Hamburg, Xaver Baur, warnt vor Langzeitschäden. Wenn Menschen den Gasen immer wieder ausgesetzt seien, "geht jedes Mal ein bisschen mehr Hirn kaputt".

Der Begasungsexperte Wim Veldman, Inspektor beim niederländischen Umweltministerium hat Waren untersucht, die in begasten Containern transportiert wurden: Bei 17 Prozent der untersuchten Lebensmittel wie Reis fand er Mengen von als krebserregend geltenden Brommethan, die über dem Grenzwert lagen. Auch Spielzeug oder etwa Matratzen hatten das Gas absorbiert und gaben es teilweise monatelang wieder frei.

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