AUS DEM SPIEGEL
Ausgabe 34/2007

Vermeintlicher Sensationsfund Stasi-Schießbefehl hing jahrelang im Birthler-Museum

Der angebliche Sensationsfund, der weltweit Schlagzeilen machte, entwickelt sich endgültig zur Behörden-Posse: Der in Magdeburg kürzlich aufgefundene Schießbefehl ist nahezu identisch mit einem Ausstellungsstück der Stasi-Unterlagen-Behörde.


Zu Fuß sind es gut 30 Minuten vom Chefbüro der Bundesbeauftragten für die Unterlagen der Staatssicherheit an der Berliner Otto-Braun-Straße bis zum hauseigenen Informations- und Dokumentationszentrum in der Mauerstraße 38. Dort liegt seit vielen Jahren, akkurat gerahmt und kommentiert, exakt jener Auftrag der Stasi-Hauptabteilung I, der nun zum Menetekel für die Aufklärer wird.

Scharen von Touristen hat der brutale Ton des Befehls schon schaudern lassen. Doch Behörden-Chefin Marianne Birthler kannte weder das Ausstellungsstück, noch wusste sie, dass ein Mitarbeiter ihrer Forschungsabteilung bereits 1993 ein gleichlautendes Dokument gefunden und 1997 veröffentlicht hatte. Stattdessen stellte Birthler pünktlich zum Jahrestag des Mauerfalls am 13. August dieses Jahres den Fund des Stasi-Schießbefehls als neu und "so unverhüllt und deutlich, wie er bis jetzt noch nicht vorgelegen hat" dar.

Das Ausstellungsdokument stammt, wie das Magdeburger Papier, aus der Akte eines Spitzels der Einsatzkompanie der Stasi-Hauptabteilung I und gleicht dem vermeintlichen Sensationsfund stellenweise bis ins Detail.

"Zögern Sie nicht mit der Anwendung der Schußwaffe", heißt es in dem gerahmten und kommentierten Museumsexponat, "auch dann nicht, wenn die Grenzdurchbrüche mit Frauen und Kindern erfolgen, was sich die Verräter schon oft zu nutze gemacht haben".

Weitere Details zum vermeidbaren Schießbefehl-Desaster im neuen SPIEGEL.



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