AUS DEM SPIEGEL
Ausgabe 34/2007

SPD mischte sich in Inhalte der Verlagsbeteiligung "Frankfurter Rundschau" ein


SPD-Schatzmeisterin Inge Wettig-Danielmeier hat offenbar versucht, Einfluss auf die Berichterstattung der "Frankfurter Rundschau" ("FR") über die Linkspartei zu nehmen. Offiziell beteuert die SPD zwar, sie achte die redaktionelle Unabhängigkeit der zur Parteiholding DDVG gehörenden Blätter. In einem Brief vom 31. August 2005 – knapp drei Wochen vor der Bundestagswahl – schrieb die Parteisoldatin aber unter SPD-Briefkopf an den damaligen "FR"-Chefredakteur Wolfgang Storz, das Blatt habe mancherlei zum Thema Linkspartei publiziert: "Manches davon zutreffend, manches sehr einseitig, gelegentlich auch provozierend, einiges davon auch uninformiert." In dem Brief empfiehlt sie dem Chefredakteur den Abdruck eines Textes, der "einen interessanten Aspekt des Verhältnisses von SPD und Linkspartei" beschreibe. "Ich würde mich freuen, wenn dieser Beitrag über die ‚Frankfurter Rundschau‘ bald einem größeren Leserkreis zugänglich gemacht werden könnte." Chefredakteur Storz kam der Empfehlung nicht nach. Er sei "der festen Überzeugung, dass dies die redaktionelle Unabhängigkeit berührte", hieß es in seinem Antwortschreiben. Wettig-Danielmeier teilt zu den Briefen mit, sie sehe "in diesem Sonderfall, in dem die ,Frankfurter Rundschau‘ unter der Chefredaktion von Herrn Storz über Wochen zu einem Propagandablatt der WASG (Linkspartei) geworden war, meine Bitte als begründet an". Die SPD-Tochter DDVG hatte 2004 die "FR" zu 90 Prozent übernommen. Seit dem Einstieg des Kölner Verlags DuMont Schauberg im Juli 2006 gehört ihr noch eine Minderheitsbeteiligung.



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