AUS DEM SPIEGEL
Ausgabe 8/2008

Zollitsch denkt über die Gültigkeit des Zölibats nach


Der Freiburger Erzbischof und neugewählte Vorsitzende der Deutschen Bischofskonferenz, Robert Zollitsch, 69, hat sich "gegen Denkverbote" beim Thema Zölibat ausgesprochen. Die Verbindung zwischen Priestertum und Ehelosigkeit sei "nicht theologisch notwendig", erklärte er im Gespräch mit dem Nachrichten-Magazin DER SPIEGEL. Ein Abschied vom Zölibat "wäre eine Revolution, bei der ein Teil der Kirche nicht mitginge". Nötig wäre dafür ein Konzil, weil in das innere Leben der gesamten Kirche eingegriffen werden würde. Zugleich spricht er sich für die Öffnung seiner Kirche für neue gesellschaftliche Milieus aus und ging auf Distanz zu Äußerungen anderer Bischöfe zum Thema Kinderkrippe. "Begriffe wie 'Gebärmaschinen' oder 'Herdprämie' gehören nicht zu meinem Wortschatz und machen jede Diskussion im Ansatz kaputt. Wir brauchen Kinderkrippen, weil viele Eltern sie einfach benötigen."

Kritisch äußerte er sich zur Entwicklung der CDU, obwohl von dieser Partei "viele christliche Werte in unserem Sinne aufgegriffen werden". "Aber", so Zollitsch, "die CDU hat sich stärker neoliberalen Thesen angenähert - und steht dabei in der Gefahr, die 'soziale Marktwirtschaft' oder das 'Soziale' nicht mehr genügend im Blick zu haben." Die Nähe zwischen katholischer Kirche und CDU sei "deshalb geringer geworden". Andererseits griffen andere Parteien wie SPD und Grüne "Dinge, die uns wichtig sind, stärker auf als früher".

Der Freiburger Erzbischof warb zugleich für eine bessere Beziehung zur evangelischen Kirche. Die römische Erklärung über das, was Kirche sei, habe Verstimmung bei den Protestanten ausgelöst. Die evangelische Kirche "ist Kirche. Ich kann ihr das nicht absprechen."



© DER SPIEGEL 8/2008
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