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21. Juni 2008, 10:30 Uhr

Uefa-Exekutiv-Mitglied Giangiorgio Spiess verurteilt

Der Schweizer Fußballfunktionär Giangiorgio Spiess, Vorsitzender der Kommission für Rechtsfragen bei der Europäischen Fußball-Union (Uefa) und seit 1996 Mitglied der Uefa-Exekutive, ist bereits im März 2007 von einem Gericht im italienischen Parma wegen Beihilfe zum betrügerischen Konkurs zu einer Bewährungsstrafe von zwei Jahren und zwei Monaten verurteilt worden. Demnach hatte der 74 Jahre alte Wirtschaftsanwalt aus Lugano von 1991 bis 2001 dabei geholfen, rund vier Millionen Euro aus den Kassen des pleitegegangenen Lebensmittelkonzerns Parmalat und einiger zu der Gruppe gehörender Unternehmen zu entziehen und die Spur des Geldes zu verschleiern. Die Verurteilung des Schweizer Spitzenfunktionärs war bislang nicht publik geworden, weil seine Verteidigung eine Strafvereinbarung mit der Staatsanwaltschaft fand – dadurch blieb Spiess eine öffentliche Hauptverhandlung erspart.

Der Anwalt aus Lugano bekannte sich im November 2006 schuldig und akzeptierte das Strafmaß der Anklage, durch die Zustimmung eines Richters wurde das Urteil im März 2007 rechtskräftig. Der Zeitpunkt von Spiess’ Verurteilung fiel zusammen mit dem Uefa-Kongress Ende Januar 2007 in Düsseldorf, bei dem der Schweizer sich als Mitglied der Uefa-Exekutive zur Wiederwahl gestellt hatte. Obwohl er damals nicht genügend Stimmen erhielt, sitzt Spiess bis heute als kooptiertes Mitglied in dem einflussreichen Gremium – als Vertreter des EM-Gastgeberlandes Schweiz. Zudem wurde der verurteilte Jurist im vorigen Jahr bei der Uefa zum Leiter der neu gegründeten Kommission für Rechtsfragen ernannt. Gegenüber dem SPIEGEL hat Spiess sich zu seiner Verurteilung nicht geäußert. "Das Ganze ist erledigt", sagte er nur, "die zuständigen Gremien bei der Uefa sind informiert." Auch detaillierte schriftliche Fragen ließ Spiess unbeantwortet.

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