AUS DEM SPIEGEL
Ausgabe 36/2008

Forschungsbergwerk Asse war inoffizielles Endlager


Öffentlichkeit und Anwohner sind offensichtlich in den siebziger Jahren über den Zweck des Atommülllagers von Asse in Niedersachsen getäuscht worden. Das 1965 offiziell zu Forschungszwecken eingerichtete Atommülllager im niedersächsischen Salzbergwerk Asse wurde von Anfang faktisch als Endlager genutzt. Das geht aus Unterlagen hervor, über die der SPIEGEL in seiner neusten Ausgabe berichtet. So notierte die Projektgruppe "Endlagerung radioaktiver Abfälle" 1964 nach der Begehung des Standortes, es könnten "bereits ab 1965 sämtliche Einlagerungswünsche" erfüllt werden. In einem Brief der Asse-Betreiber aus dem Jahr 1971 an die Physikalisch-Technische Bundesanstalt heißt es: "Wie Ihnen bekannt ist, handelt es sich bei der Einlagerung von Kernbrennstoffen und von radioaktiven Stoffen um die endgültige Beseitigung dieser Stoffe. Die Einlagerungsmethoden erlauben es nicht, diese Stoffe wieder auszulagern". Nach Aussagen früherer Asse- Mitarbeiter wurden "in den ersten Jahren Fässer angeliefert, die zum Teil bereits durchkorrodiert waren und Flüssigkeiten verloren". Fässer wurden "im Verlauf der Stapelung auch zerdrückt". Die Risiken des Mülldepots waren früh bekannt: Bereits 1967 wussten die Betreiber, "dass für die Asse als möglicher maximaler Unfall nur das Ersaufen der Grube in Betracht kommt". Bundesumweltminister Sigmar Gabriel (SPD) und die Landesregierung Niedersachsens haben den Schacht, in dem bis 1979 Atommüll verbracht wurde, untersuchen lassen. Kommende Woche wollen sie einen Statusbericht vorlegen.



© DER SPIEGEL 36/2008
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